 | 
Wirtschaft, Wettbewerb und Kooperation
Unternehmerisches Handeln vollzieht sich stets im Spannungsfeld von Kooperation und Wettbewerb. Benötigen Unternehmen einerseits Handelspartner, also Zulieferer von Rohstoffen und Vorprodukten wie auch Abnehmer für ihre Produkte, so stehen sie andererseits in einem oft erbitterten Wettbewerb untereinander. Denn Unternehmen konkurrieren mit ihren Angeboten um die Gunst der Nachfrager. Und nur wer sich hier von der Konkurrenz abhebt, sei es durch niedrige Preise oder durch attraktive Produkte, kann in diesem Wettbewerb bestehen.
So haben Unternehmen an Kooperationen auf der gleichen Produktionsstufe oftmals wenig Interesse. Es sei denn, es handelt sich um komplementäre Produkte, die sich im Absatz nicht behindern sondern vielmehr gegenseitig fördern, oder die Kooperation dient der Verringerung des Wettbewerbsdrucks – was dann aber volkswirtschaftlich schädlich wäre, da der Wettbewerb so seine sozial produktiven Funktionen nicht entfalten kann. Denn nur Wettbewerb führt zu einer engen Anbindung an die Konsumentenwünsche und zu marktgerecht niedrigen Preisen. Weshalb sollen Unternehmen also kooperieren? Und weshalb soll der Staat das fördern?
Kooperationsvorteile im Cluster
Die Erfahrung hat gezeigt, dass Unternehmen und andere Akteure sich durchaus gegenseitig befruchten können. In Verbünden kommt es häufig zu einem „Clustering of Innovations“, eine Erfindung zieht weitere nach sich und es entstehen neue Bedarfe und Kooperationsbeziehungen.
Als überaus hilfreich hat es sich darüber hinaus erwiesen, durch die Einbeziehung von Forschungseinrichtungen in das jeweilige Netzwerk den Wissenstransfer zu verbessern.
Trotz dieser offensichtlichen Vorteile kommt eine entsprechende Kooperation aber nicht automatisch auch zustande. Denn auch wenn die Zusammenarbeit von Unternehmen volkswirtschaftlich sinnvoll sein wie auch im wohlverstandenen Eigeninteresse der beteiligten Unternehmen liegen mag, können sich die Kosten, die mit der Anbahnung einer solchen komplexen Kooperationsbeziehung unterschiedlicher Akteure verbunden sind, doch als prohibitiv hoch erweisen. Insbesondere müssen zunächst die geeigneten Partner identifiziert und die notwendige (Verkehrs- und Kommunikations-)Infrastruktur aufgebaut werden. – Öffentliche Maßnahmen, die diese „Transaktionskosten“ senken, sind daher Infrastrukturpolitik im besten Sinne!
Und stellt das Land nicht nur die erforderliche Infrastruktur bereit, sondern bindet neben interessierten Unternehmen auch Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Wissenschaft mit ein, so steigen die Erfolgsaussichten des Clusters. Denn auf diese Weise können nicht nur Produktionsabläufe effizienter gestaltet sondern auch der Verwaltungsaufwand gesenkt, die Kommunikationsprozesse intensiviert und ein fruchtbarer Wissens- und Technologietransfer initiiert werden.
Diesen Weg geht Rheinland-Pfalz.
Schlussfolgerungen für die Clusterpolitik in Rheinland-Pfalz
Das Land Rheinland-Pfalz hat in den letzten Jahren eine Reihe von Clustern auf den Weg gebracht, die sich erfolgreich am Markt behaupten konnten. Insbesondere das Automobil-Cluster erfreut sich großer Wertschätzung. Dies zeigt, dass der Bedarf der Unternehmen getroffen wurde. Dass dies keineswegs selbstverständlich ist, zeigen etliche Beispiele misslungener Clusterbildung in anderen Ländern. Entscheidendes Erfolgskriterium: Die Wirtschaft muss selbst darüber entscheiden, in welchen Bereichen sie eine Clusterbildung für sinnvoll hält. Die Identifikation möglicher Cluster am Schreibtisch hingegen wird selten von Erfolg gekrönt sein. Sie stellt stets eine „Anmaßung von Wissen“ dar und ist mit der Gefahr von Fehlsteuerungen, Mitnahme- und Verdrängungseffekten verbunden. Längerfristige Eingriffe in Marktprozesse sind daher abzulehnen, da sie entsprechende Fehlentwicklungen perpetuieren. So sollte eine finanzielle Förderung von Clustern von Anfang an zeitlich begrenzt und degressiv ausgestaltet werden und auch das Clustermanagement sollte so schnell wie möglich in die Hand der beteiligten Akteure gelegt werden, damit tragfähige Strukturen entstehen. Denn die Unternehmen wissen am besten, wo Bedarf besteht und wie das Cluster sinnvoll organisiert werden sollte. Und sie sind dann auch bereit, den notwendigen Beitrag hierzu zu leisten. Dabei wird die Entwicklung sich vermutlich künftig verlagern: weg von traditionellen regionalen Industrie-Clustern und hin zu leistungsfähigen Kommunikationsnetzwerken. Auch darauf sollten wir uns gemeinsam vorbereiten.
Die vorstehende Position ist aus einem gemeinsamen Beitrag von LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun und LVU-Geschäftsführer Dr. Dirk Hannowsky für die ZIRP entnommen.
|  |