AD 01/09: Die M+E-Industrie in Rheinland-Rheinhessen 

Ein Portrait des Verbandsgebietes von vem.die arbeitgeber:
Im Schatten des Weines

Über Jahrhunderte prägte der Erzabbau das industrielle Geschehen an Rhein, Mosel, Nahe und Lahn. Heute hat sich das Gesicht der Industrie in der Region komplett gewandelt. Neben einem Weltunternehmen der Weißblechherstellung haben sich vor allem hoch spezialisierte mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen hier angesiedelt.  


Vor allem eins verbindet man mit der Region Rheinland-Rheinhessen, die gemeinsam mit der Pfalz das Bundesland Rheinland-Pfalz bildet: Wein. Aus den Anbaugebieten Rheinhessen, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Mittelrhein und Ahr kommt mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Erntemenge. Dass die Region, die von Betzdorf/Wissen im Nordosten bis Trier im Westen, von Remagen im Norden bis Worms im Süden reicht, eine jahrhundertealte Tradition in der Metallerzeugung und -verarbeitung hat, ist meist nur Kennern der Gegend bekannt.  

Dabei stehen Zeugen dafür weit sichtbar in der Landschaft. Wer mit dem Auto die Strecke Köln-Frankfurt befährt, sieht in der Höhe der Autobahnausfahrt Neuwied / Altenkirchen den Förderturm der Grube Georg. Dieser Turm im Westerwälder Ort Willroth ist ein stählernes Zeichen für die traditionsreiche Geschichte des Erz- und Metallbergbaues in den rheinischen Mittelgebirgen. In Willroth ist diese Geschichte seit dem 14. Jahrhundert belegt. Die letzte Schicht in der Grube Georg wurde am 31. März 1965 gefahren. Sie war die letzte Schachtanlage im Westerwald, und mit ihrer Schließung endete eine mehr als 2500-jährige Tradition des Erzabbaues in der Region.  

An dieser Tradition orientierte sich auch der Arbeitgeberverband in Rheinland-Rheinhessen. Er firmierte lange als "Vereinigung der Eisen- und Metallindustrie" (VEM). Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Rheinland-Rheinhessen e.V. gab sich seinen heutigen Namen erst in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, nachdem mit dem Niedergang des Erzbergbaus auch die eisenverarbeitende Industrie aus der Region verschwunden war. Das eingeführte Logo VEM gilt jedoch noch heute für den Verband.  

Indirekt hat auch das größte und wichtigste Unternehmen der Region Rheinland-Rheinhessen, der Weiß- und Feinblechhersteller Rasselstein, seine Wurzeln in der langen Tradition der Metallerzeugung. Die heutige ThyssenKrupp-Tochter geht auf eine Eisenhütte zurück, die erstmals 1655 urkundlich erwähnt wird. Im Jahr 1769 wurde das erste deutsche Blechwalzwerk bei Rasselstein in Betrieb genommen. Der Name Rasselstein stammt von einem benachbarten Steinbruch („rasselnde Steine“).1835 produzierte das Unternehmen übrigens die Schienen für die erste deutsche Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth. Heute ist die Rasselstein GmbH mit Werken in Neuwied und Andernach der einzige deutsche Hersteller von Weißblech und gehört zu den größten Produzenten der Welt. 2005 erweiterte das Unternehmen seine Anlagen - in Andernach entstand der weltweit größte Produktionsstandort für Weißblech. Rund 2.300 Mitarbeiter stellen jährlich etwa 1,4 Millionen Tonnen Weißblech her. Der Exportanteil liegt bei 80 Prozent. Weltweit vertrauen rund 400 Kunden in mehr als 80 Ländern auf die Produkte aus Rheinland-Rheinhessen. Und in seiner direkten Umgebung wirkt Rasselstein wie ein Magnet. So haben sich rund um Neuwied und Andernach zahlreiche Betriebe der Weißblechverarbeitung angesiedelt.  

Neben Rasselstein und den Verarbeitern von Weißblech bestimmen Autozulieferbetriebe die Industriestruktur in Rheinland-Rheinhessen. Auch diese haben historische Wurzeln. So stammt Nicolaus August Otto, der Erfinder des nach ihm benannten Motors, aus Holzhausen an der Haide. Bereits 1862 begann der Sohn eines Bauern erste Experimente mit Viertaktmotoren, die aber erst ab 1876 zum Einsatz kamen. Auch der Gründer und Namensgeber der Automobilbauunternehmen Horch und Audi, August Horch, kommt aus der Region. Er entstammt einer alten Winzer- und Schmiedefamilie und wurde 1868 in Winningen an der Mosel geboren.  

Heute gibt es zwar in Rheinland-Rheinhessen keine Automobilhersteller mehr, doch aus den dort gefertigten Zulieferteilen könnte man schon fast ein komplettes Auto zusammenbauen. So werden hier beispielsweise Karosseriepressteile, Feinbleche für die Karosserien, Bremsen, Bremskraftverstärker, Antiblockiersysteme, Stoßdämpfer, hydraulische Komponenten, Kabelbäume und Kurbelwellen gebaut.  

Erfolgreich ist auch der Maschinenbau in der Region. So kommen die größten und schnellsten Briefumschlagmaschinen der Welt aus Neuwied. Der Weltmarktführer für Verdichter im Straßenbau sitzt im vorderen Hunsrück. Bedeutende und hoch spezialisierte Pumpenhersteller aus der Eifel, aus Rheinhessen und dem Hunsrück sind ebenfalls mit ihren Produkten weltweit erfolgreich vertreten.  

Überhaupt ist es die Vielfalt der Branchen und Produkte, die das Industriegebiet in Rheinland-Rheinhessen kennzeichnet. An der Nähe zu den großen Flüssen Rhein und Mosel mag es liegen, dass auch führende Unternehmen im maritimen Bereich hier ihre Standorte haben. So ist die Schottel GmbH in Spay, in der Nähe von Koblenz, Weltmarktführer bei verschiedenen steuerbaren Schiffsantrieben, wie etwa Antrieben für Hochseeschlepper und den so genannten Pump-Jet-Antrieben. In Meisenheim am Glan sitzt darüber hinaus ein europäischer Marktführer in der Lager- und Kommissioniertechnik. In Koblenz befindet sich mit der Deloro Stellite GmbH der Weltmarktführer für Verschleißschutzlösungen (Schutz vor Korrosion, extrem hohen Temperaturen, mechanischem Verschleiß, z. B. in Kraftwerken, bei Offshore-Anlagen, im Maschinenbau, etc.). Und der deutsche Marktführer in der Herstellung von Strommasten und Masten für Windkraftanlagen sitzt in Neuwied.  

Neben diesen eher im Investitionsgütergeschäft aktiven Unternehmen gibt es auch einige bekannte Konsumgüterhersteller. Unter ihnen die Fissler GmbH in Idar-Oberstein, Marktführer in Deutschland bei der Herstellung und dem Vertrieb von Kochtöpfen und Pfannen, und die Leifheit AG in Nassau an der Lahn - eines der bekanntesten deutschen Konsumgüterunternehmen, welches nicht-elektrische Haushaltsgeräte und Badausstattung herstellt.

Um die Belange dieser Unternehmen kümmert sich vem. die arbeitgeber M+E, Industrie- und Dienstleistungsverband Rheinland-Rheinhessen e.V.. Besonderes Augenmerk legt der Verband auf die Aus- und Weiterbildung sowie die Förderung des Nachwuchses in den technischen Berufen. Der VEM betreibt sowohl in Koblenz als auch in Trier Industrielehrwerkstätten, die als Verbundwerkstätten auch solchen Unternehmen eine Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen ermöglichen, die alleine dazu nicht in der Lage wären. Beide Industrielehrwerkstätten wurden in den vergangenen Jahren zur Aus- und Weiterbildungskompetenzzentren ausgebaut.  

Zusammen mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. wurde darüber hinaus eine Initiative gegründet. Die gemeinnützige Gesellschaft "Bildungswerk der rheinland-rheinhessischen Wirtschaft" mit Sitz in Koblenz hat zum Ziel, Jugendliche und Erwachsene in Rheinland-Pfalz staatsbürgerlich, sozial- und wirtschaftspolitisch sowie beruflich zu bilden. Das Angebot reicht von Seminaren über Bildungsberatungen und Forschungsprojekte bis hin zu Berufsvorbereitung, Ausbildungsprojekten und Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik  

Das alles zeigt: Rheinland-Rheinhessen ist zwar zu Recht bekannt für seinen Wein und Sekt. Doch das ist nicht das einzig Ausgezeichnete, das die Region zu bieten hat.

 

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Mit der Region Rheinland-Rheinhessen verbindet man meist pitoreske Städte wie Ahrweiler, Weinanbau und Gastronomie. Die Region hat aber auch industriell viel zu bieten. (Foto: Pinger)

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Der Begründer der Horch-Werke (heute Audi) stammt aus Winningen. Unser Bild zeigt einen Horch 930 V von 1939. (Foto: Auto-Reporter/ Audi)

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Weltmarktführer bei speziellen Schiffsantrieben ist die Firma Schottel in Spay am Rhein. (Foto: Siemens-Pressebild)

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Deloro Stellite aus Koblenz ist Weltmarktführer bei Verschleißschutzlösungen. (Foto: Pinger)

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