Lehrer erkunden KOB in Wolfstein:
Damit Mathematik an Leben gewinnt
Aljoscha Forster ist Auszubildender bei der Karl Otto Braun GmbH & Co. KG (KOB) in Wolfstein. An normalen Tagen lernt er dort, was man als Mechatroniker wissen muss. An diesem Tag jedoch steht er an einem Flip-Chart und schreibt komplizierte mathematische Formeln an, mit deren Hilfe man die Längenausdehnung einer Heizplatte ermitteln kann. Er spricht nicht vor seinen Azubi-Kollegen, sondern vor einer Gruppe von Mathematik-Lehrern, die im Rahmen eines Stationenrundgangs „Mathematik – realitätsnah und spannend“ erleben wollen.
Die KOB führte diese Lehrerfortbildung gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT (LAG) durch. „Bei dieser Veranstaltung geht es darum, Lehrern die Anwendung der Mathematik im betrieblichen Alltag näher zu bringen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, ihren Mathe-Unterricht noch praxisnäher zu gestalten“, erklärt Dr. Dirk Hannowsky, Geschäftsführer der LAG.
Prof. Dr. Ralf Korn vom Fachbereich Mathematik der TU Kaiserslautern hatte zunächst in einem Impulsreferat deutlich gemacht, wie wichtig Mathematik im täglichen Leben sei. Eine Rechenschwäche könne einem, so seine These, im alltäglichen Tun mehr Probleme bereiten, als eine Lese- oder Rechtschreibschwäche. Er führte sogleich eine Reihe von Beispielen an, in denen Mathematik sich im Alltag als unentbehrlich erwiesen habe: „Das mp3-Dateiformat ist von deutschen Mathematikern entwickelt worden“, erklärte er. Und nannte auch noch ein weiteres Beispiel: Das Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern habe ein Programm entwickelt, mit dem der ideale Schliff bei Edelsteinen vorausberechnet werden kann – also die Kombination von einer möglichst makellosen Gestaltung bei einer möglichst großen Größe.
Die Lehrer machten sich anschließend an die Praxiserfahrung im Stationenrundgang. Insgesamt neun Azubis aus dem Hause KOB stellten in sieben Stationen verschiedenste mathematische Herausforderungen vor, mit denen sie in ihren Berufsalltagen zu tun haben. Das reicht von der „einfachen“ Brutto-Netto-Preis-Ermittlung bis hin zur aufwändigen Produktionsberechnung in der Weberei von KOB.
Aljoscha Forster stellte in der Metall-Ausbildungswerkstatt mit seinen Azubi-Kollegen die Themen Längendehnungskoeffizient und Druckumwandlung am Beispiel der Polymerpresse vor. „Um diese Aufgaben bewältigen zu können, müssen die jungen Leute unter anderem die Flächenberechnung, das Arbeiten mit Tabellen sowie Formelumstellungen und das Umwandeln von Einheiten beherrschen – alles für sich genommen vergleichsweise trockene Felder der Mathematik, die aber in der betrieblichen Herausforderung an Leben gewinnen“, so Françoise Fuchs, Ausbildungsleiterin bei KOB.
Insgesamt nahmen knapp 60 Lehrerinnen und Lehrer an der Veranstaltung teil. Für Christiane Schönauer-Gragg von der Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbständigkeit von Schulen (AQS) in Bad Kreuznach, die seitens der LAG im Donnersbergkreis die Veranstaltung leitete, bietet die Veranstaltung die Möglichkeit, den Zusammenhang von Schul- und Berufswissen hervorzuheben: „Seit Jahren bieten wir deshalb Mathematikveranstaltungen an, die die Schnittstelle Schule - Beruf für dieses wichtige Fach beleuchtet und einen deutlichen Praxisbezug Fach vor Augen führt. Wichtig bei allen Fortbildungstagen ist, dass - wie bei KOB auch - konkrete Arbeitsmaterialien mitgeliefert und die praktische und sofortige Umsetzung im Unterricht unmittelbar danach ermöglicht werden soll.“