Phoenix-Runde: Dr. Braun fordert Entschlackung des Unterrichts 

Der Präsident der LVU, Dr. Gerhard F. Braun, war am Donnerstag (21.02.) in seiner Funktion als BDA-Vizepräsident und Vorsitzender des gemeinsamen BDA/ BDI-Bildungsausschusses in der Phoenix-Runde zu Gast. Thema: "Pauken ohne Pause? - Streit ums Turboabitur".

Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir. Aber möglichst schnell. Ab dem kommenden Sommer wird in fast allen Bundesländern das „G8“, das achtjährige Gymnasium, eingeführt sein. Doch die Bewältigung der gleichen Stoffmenge in weniger Zeit setzt Schülern und Lehren zu. Sie beklagen, dass kaum Zeit für die Vertiefung eines Themas und für Hobbys bleibt.

Macht die Schule unsere Kinder kaputt? Anke Plättner diskutierte hierzu in der PHOENIX Runde mit Prof. E. Jürgen Zöllner (Bildungssenator in Berlin), Gerhard Braun (Vizepräsident Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände), Susanne Gaschke (DIE ZEIT), Harald Mier (Schulleiter Schadow-Gymnasium Berlin) und Bernd Sibler (CSU, Staatssekretär Kultusministerium Bayern).

Aussagen Dr. Braun:

Für uns ist es kein Dogma, acht oder neun Jahre – das Interesse der Wirtschaft ist, dass sie junge Leute hat, die von der Schule gut ausgebildet werden und als Führungskräfte in unsere Unternehmen kommen. Die Umsetzung ist beim G8 wohl das Problem. Ich kann nicht den Stoff von neun Jahren auf acht Jahre zusammenpressen, ohne dass ich grundsätzliche Reformen mache, dass ich Unterricht entschlacke. Was wir immer sehen ist, dass die Kinder vor ihren Schularbeiten sich den Stoff in den Kopf hineinziehen und den dann nach der Arbeit ganz schnell wieder vergessen. Davon müssen wir wegkommen. Wir müssen Kindern die Fähigkeit geben, sich selbst in Themen einzuarbeiten, aber nicht nur reines Fachwissen auswendig zu lernen.  

Der richtige Weg wäre gewesen: Zunächst die Strukturen anpassen und dann die Schulzeit reduzieren.  

Ich glaube wir müssen zunächst einmal einen gewissen Paradigmenwechsel vornehmen: Früher haben wir gedacht, dass wir in die Schule gehen, dann noch ein Studium aufsetzen und dann ist die Lernphase abgeschlossen. Das ist nicht mehr der Fall. Wir können heute nur noch Grundlagenwissen in der Schule vermitteln und die Kinder in die Lage versetzen sich dann später im Beruf berufsbegleitend weiterzubilden. Die berufliche Weiterbildung wird eine viel stärkere Bedeutung haben. Das lebenslange Lernen wird eine viel stärkere Bedeutung kriegen und darauf müssen die Schüler vorbereitet sein.  

Ist es denn wirklich notwendig, dass im Chemieunterricht die fünfte und sechste chemische Formel noch unterrichtet wird? Wenn man sich da auf die Grundzüge konzentriert, reicht das doch aus. Wir haben das doch alle in der Schule selbst erlebt: Wie tief man teilweise in Themen eingestiegen ist, die man dann wieder vergessen hat. Lass uns den Unterrichtstoff reduzieren auf das wirklich notwendige. Lass uns die Kinder in die Lage versetzen, selbst sich Dinge zu erarbeiten. Lass uns den Unterricht auch interessanter machen, damit das Lernen Spaß macht. Nur Kinder die Spaß am Lernen haben, haben auch einen Lernerfolg.  

Viele von uns, ich erinnere mal an die Kurzschuljahre, haben ja auch innerhalb von zwölf Jahren Abitur gemacht – so wie ich auch. Und es hat mir nicht furchtbar geschadet, muss ich sagen. Also dieses Jahr, was da gefehlt hat, ich kann nicht sagen, dass mir da an irgendeiner Stelle etwas abhanden gekommen wäre.  

Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere waren die besten Lehrer die, die viel gefordert haben. Da haben wir die besten Noten geschrieben und das hat am meisten Spaß gemacht. Die Lehrer, die das relativ lasch angegangen sind, da hat der Unterricht keinen Spaß gemacht.

 

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