01.03.09: SWR1 

Im SWR1-Interview äußerte sich LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun zur Exportsituation und Unternehmertum in Zeiten der Wirtschaftskrise. Das Interview führte SWR-Wirtschaftsredakteur Gerhard Hohmann für die Sendung "Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz":

SWR1:
Dr. Gerhard F. Braun ist Präsident der Unternehmerverbände des Landes. Wie stark trifft die Krise die Unternehmen? Welche Zukunft steht ihnen und uns bevor?  

Dr. Gerhard F. Braun: Wenn man sehr stark exportorientiert ist, dann leidet man natürlich auch überproportional, wenn eine Krise dieser Art kommt, das ist richtig. Trotzdem bin ich langfristig davon überzeugt, dass wir aufs richtige Pferd setzen. Nicht nur als Rheinland-Pfalz, sondern Deutschland insgesamt. Wir haben hervorragende Ingenieure, wir haben hervorragende Produkte, die wir weltweit absetzen können. Der Markt wird sich auch wieder bessern. Wir sollten jetzt nicht wegen einer, sicher sehr gravierenden, aber für mich immer noch vorübergehenden Krise, glauben, dass alles jetzt sozusagen den Rhein runtergeht.  

SWR1: Herr Dr. Braun haben die Mittelständler in den vergangen Jahren genügend Speck angesetzt um die Krise als Mittelständler zu bewältigen? Wenn man vom Export abhängig ist, dann dauert es länger bis man wieder auf den Märkten präsent sein kann. Hat man genügend Speck angesetzt in den vergangen Jahren um die „Durststrecke“ durchhalten zu können?  

Dr. Braun: Also gute Unternehmer, langfristig denkende Unternehmer nehmen immer auch in Kauf und rechnen ein, dass sie eine Durststrecke haben. Die haben Rückstellungen, Rücklagen gebildet, die haben Eigenkapital aufgebaut. Es gibt aber auch immer auch diejenigen die sehr kurzfristig nur denken, die quartalsweise denken und die werden Probleme haben. Das wird hier also zu einem Aussortier-Prozess am Markt führen, dass die guten Unternehmer und die guten Unternehmen existierend diese Krise überwinden, aber es wird auch einige Arbeitsplätze und einige Unternehmen kosten. Da bin ich ganz sicher.  

SWR1: Der deutsche Maschinenbau hat ja eigentlich nur einen Wachstumsrekord nach dem anderen vermelden können, macht das, wenn man lange Jahre eigentlich immer nur wächst, macht das nicht auch einen Unternehmer irgendwann mal leichtsinnig. Das er sagt, das geht einfach so weiter.  

Dr. Braun: Es ist natürlich viel angenehmer, wenn man als Unternehmen ständig wächst. Leute einstellen, Umsatzrekorde brechen ist natürlich eine tolle Geschichte, man muss aber auch in rauer See beweisen können, dass man ein guter Unternehmer ist. Gerade wenn die Nachfrage zurückgeht, wenn die Umsätze einbrechen, dann muss ich harte Einschnitte machen, dann muss ich ein völlig anderes Management machen. Ich muss mein Unternehmen völlig anders führen, muss mit den Mitarbeitern auch anders umgehen, anders reden, möglicherweise auch viel offener reden, das liegt nicht jedem. Ich kenne Unternehmer die hervorragende Wachstumsunternehmer sind, die das wirklich toll meistern, es gibt aber nicht so viele, die wirkliche Krisen meistern, also Kapitän in rauer See, die sind jetzt nicht ganz so häufig gesät.  

SWR1: Wer in der Wachstumsphase gesagt hat, seid mal vorsichtig, das muss nicht Ewigkeiten so weiter gehen, seid mal vorsichtig, es können auch mal schlechte Zeiten kommen, seid mal so vorsichtig mit der Euphorie. Ich habe irgendwie das Gefühl, da muss man mal drüber nachdenken, ob man jetzt noch diese oder jene Investition einfach oben drauf setzt, also wetten auf die Zukunft. Wer da auf die Bremse getreten hat im Unternehmerlager, ist er nicht einfach ab und zu auch ein stückchenweit belächelt worden und gesagt worden, der ist nicht mutig, der ist nicht risikobereit? Ach, der ist als Unternehmer eigentlich von gestern?

Dr. Braun: Derjenige der die Strategie seines Unternehmens im Kopf hat, lässt sich von solch einer Anmache nicht aus der Ruhe bringen. Der weiß wo er mit seinem Unternehmen hin will. Der weiß wo er investiert. Der hat ein Gefühl dafür, wie sich die Märkte entwickeln und der ist eher auf dem richtigen Weg, als einer der jeder Mode nachläuft. Es gibt ja auch bei uns Managementmoden, jetzt muss jeder plötzlich nach China gehen, haben wir mal vor 10, 15 Jahren gehört. Heute sind die ganzen Berater unterwegs und holen die Unternehmen wieder aus China zurück. Das sind solche Moden, auf die ein in gutem Sinne konservativer Unternehmer nicht aufspringt, der die Risiken sieht und das, was er mit dem Unternehmen tragen kann auch wirklich investiert und Risiken, die er nicht stemmen kann, zum Beispiel Auslandsinvestitionen, ganz bewusst nicht macht, auch wenn sie gerade Mode sind.    

 

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