SWR-Wirtschaftsredakteur Gerhard Hohmann im Gespräch mit LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun für die SWR 1-Sendung "Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz".
Frage: "Wie ernst ist die Lage? Lässt sich wirklich schon sagen wohin die Reise geht?"
Dr. Gerhard F. Braun: "Das lässt sich überhaupt noch nicht sagen. Diese Art Krise kennen wir nicht. Die war vielleicht 1929 mal da, aber da haben wir alle, so wie wir da sitzen, noch nicht gelebt. Wir kennen solche Krisen nicht. Wir haben früher immer mal Konjunktureinbrüche gehabt, da ist mal ein Sektor runter und ein anderer ging gut. Hier gehen ganz, ganz viele Sektoren schlecht und wir sehen nicht ab, wie das im Moment weiter geht."
Frage: "Mittelständler gelten normalerweise als konjunkturschwankungsrobuster. Gilt das in solchen Zeiten immer noch?"
Dr. Braun: "Das gilt nach wie vor, weil Mittelständler in der Regel wesentlich flexibler in ihrer Reaktion sind. Das gilt in dieser Krise wie in allen anderen Krisen vorher auch."
Frage: "Da gibt’s noch ne Menge von Programmen. Da werden Rettungsschirme aufgespannt. Hier zu Lande ist noch kein Euro aus dem Landesprogramm ausgezahlt worden, so das Wirtschaftsministerium. Bringen diese Maßnahmen eigentlich nicht langfristig, in so einer diffusen Situation, mehr Unruhe als kurzfristigen Nutzen?"
Dr. Braun: "Der Bankenrettungsschirm der Bundesregierung war absolut notwendig. Wir brauchen ein funktionierendes Bankensystem, sonst bricht das gesamte Wirtschaftssystem zusammen. Die ganzen Subsysteme die wir jetzt haben, Landessysteme, die sind vielfach sehr, sehr fraglich. Es ist schon die Frage, ob man einzelne Unternehmen unterstützen kann, weil andere Unternehmen die nicht unterstützt werden, natürlich sehr schnell die Frage stellen und warum bekommen wir nichts. Dann ist die Frage zu stellen, warum ist ein Unternehmen in Problemen, wegen dieser Finanzkrise oder ist es vielleicht ein strukturelles Problem des Unternehmens, weil der Unternehmer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat und wenn solche Unternehmen dann mit Steuermitteln letztendlich subventioniert werden, das kann nicht Sinn der Sache sein."
Frage: "Wir reden eigentlich nur über Geld. Hängt es eigentlich nur am Geld, am Kredit? Gibt´s eigentlich nicht noch ganz andere Dinge, die in einer Krise helfen können und die möglicherweise auch, in einer solchen Situation, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen verbessern können, das Überleben in einer Krise verbessern können? Das Stichwort heißt letztendlich „Krise als Chance“."
Dr. Braun: "Aus vielen Krisen sind gute Unternehmen gestärkt hervorgegangen, weil sie sich in der Krise angepasst haben. Sie haben ihre Strukturen angepasst. Sie haben sich auf Probleme eingestellt - das wird auch hier der Fall sein. Das heißt, Vieles ist mit Geld nicht zu machen, sondern den Unternehmern muss die Möglichkeit gegeben werden, sich tatsächlich anzupassen: Dort, wo notwendig, Personal auch abzubauen, dort, in Bereichen in denen man nicht effizient ist, Strukturen anzupassen. Das muss möglich sein und da ist unser Arbeitsrecht noch viel zu unflexibel. Das wäre eine Chance hier mal ranzugehen und das Arbeitsrecht wesentlich flexibler zu gestalten, möglicherweise nimmt die Bundesregierung diese Chance auch wahr."
Frage: "Wenn es denn wieder losgehen würde, ist dann die deutsche Wirtschaft in der ersten Startreihe weltweit? Teilen sie diese Auffassung?"
Dr. Braun: "Ich glaube schon, wir haben das ja auch in der Vergangenheit gesehen, dass deutsche Unternehmen aus Krisen gestärkter hervorgegangen sind, als ausländische Unternehmen und ich bin überzeugt, dass das auch dieses Mal der Fall sein wird. Man kann sich heute noch garnicht vorstellen, dass mal wieder ein Aufschwung kommt und er wird kommen, dass ist ganz sicher und es ist den Unternehmern zu raten, gute Mitarbeiter, wichtige Mitarbeiter heute auch zu halten, auch in der Krise zu halten, dass, wenn der Aufschwung kommt, diese dann verfügbar sind."