26.07.2009: SWR1 

In seiner Sendung zum Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz hat sich SWR1-Wirtschaftsredakteur Gerhard Hohmann mit dem Thema Ingenieurmangel angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise befasst. Dazu sprach er auch mit LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon.

Hohmann: Die Lage ist ernst, wenn in den kommenden Jahren altersbedingt die starken Jahrgänge der Nachkriegszeit in Rente gehen, dann werden jährlich fast 37.000 Ingenieure in Deutschland fehlen. Werner Simon, der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände.  

Simon: Die deutsche Wirtschaft hat seit Jahren erkannt, dass ihre Zukunft natürlich in dem einzigen Rohstoff liegt, den wir in Deutschland haben und das sind unsere fähigen Mitarbeiter und ganz besonders im naturwissenschaftlichen Bereich. Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern das Land der Tüftler und Erfinder, damit sind wir groß geworden, das ist die Basis unserer Industrie und deshalb haben wir seit Jahren schon mit großen Kampagnen für das Ingenieurs-Studium geworben und trotzdem müssen wir jetzt feststellen, dass wir zu wenig Ingenieure haben. Dass wir zu wenige abgehende, fertige Ingenieure haben, um den Bedarf in den Betrieben zu decken und das ist sogar so, trotz der Krise.      

Hohmann: Woran liegts aber? Auch Simon beklagt letztendlich das Image.  

Simon: Wir haben den Eindruck, dass die Gesellschaft eben mit Industrie und Ingenieur Dinge verbindet, die man lieber sehe, wenn das im Dienstleistungsbereich ist, wenn das sauberer wäre, was überhaupt nicht mit der Wirklichkeit zu tun hat, aber das ist die Einstellung dazu und das führt zu diesem Mangel.      

Hohmann: Nur wie lösen? Schließlich läßt sich das negative Bild nicht von heute auf morgen wegwischen, zumal es derzeit ein gesondertes Problem gibt. Der klassische Diplom-Ingenieur ist ein Auslauf-Modell. Die neuen Studiengänge ziehen auf Bachelor- und Masterabschlüsse und deren Wert ist allerdings bei den Unternehmen noch gar nicht bekannt.  

Simon: Das größte Problem ist, dass an den Fachhochschulen ein Drittel der Studenten ihr Studium ohne Erfolg abbrechen. Da muss man eingreifen, da ist ein Potenzial was schlummert, da muss man eine stringentere, bessere Ausbildung machen, die eben bei den Studenten zu mehr Erfolg führt, sowohl die Hochschulen und da nehme ich die Universitäten genau so wie die Fachhochschulen, müssen sich mehr um den Erfolg ihrer Studenten kümmern und die Unternehmen müssen noch viel deutlicher signalisieren, dass sie gerade auch diese Bachelor, ohne das sie noch eine Masterausbildung machen, brauchen.      

Hohmann: Sicherlich, ein Punkt der geklärt werden muss und zwar schnell. Letztlich krankt das Ganze am System. Naturwissenschaften haben immer noch den falschen Ruf, es wird Zeit ihn zu korrigieren. Der pfälzischen Metallindustrie waren das 10 Millionen Euro wert, für ihre Stiftung PfalzMetall. Die setzt dabei auf viele Projekte, von der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, bis hin zu Schulprojekten mit spielerischen Versuchen, denn eines ist klar, wer mit der Werbung für Naturwissenschaften wirbt, für Spitzenleistungen in Technik und Wissenschaft und wenn diese langfristig keinen Erfolg erzielt, dann können wir uns warm anziehen, denn dann wird es verdammt kalt und ungemütlich in Deutschland.    

 

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