RPR1.: Herr Braun wie bewerten Sie die Entscheidung aus Berlin?
Dr. Gerhard F. Braun: Das ist sehr enttäuschend. Es ist ein Schlag, sowohl für die Versicherten als auch für Arbeitgeber im Lande. Die Versicherten und die Arbeitgeber müssen mehr zahlen, müssen tiefer in die Tasche greifen. Es ist eigentlich vereinbart gewesen in der Koalitionsvereinbarung, dass die Regierung sich um eine grundsätzliche Reform des Gesundheitswesens kümmert. Es ist nichts geschehen. Es wird überhaupt keine Reform angegangen. Das wurde ja offiziell so auch verkündet, sondern man hat lediglich die Gebühren erhöht.
RPR1.: Was hat das denn für Auswirkungen aus Sicht der Unternehmer in Rheinland-Pfalz?
Dr. Braun: Das wird negative Auswirkungen haben, weil damit die Arbeitskosten steigen, d.h. wir sind jetzt gerade nach einer sehr schweren Wirtschaftskrise in einer Phase des leichten Aufschwungs, wo man eigentlich Mitarbeiter einstellen würde. Wo man aber darauf angewiesen ist, dass die Kosten nicht zu hoch werden und diese Maßnahme wird die Arbeitskosten erhöhen und es ist zu befürchten, dass nicht nur die Gesundheitskosten steigen sondern auch z.B. die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.
RPR1.: Anderseits, wir wissen ja alle, die Menschen werden immer älter. Das Geld der Krankenkassen reicht hinten und vorne nicht mehr. Was also sollte die Regierung ihrer Meinung nach tun?
Dr. Braun: Wir haben darauf gehofft, dass die Regierung sich zu einer grundsätzlichen Reform des Gesundheitswesens durchringt. Es gibt eine ganze Reihe von Effizienzreserven im Gesundheitssystem. Es wurde vorgeschlagen eine sogenannte Kopfpauschale einzuführen, da haben wir große Hoffnungen hineingesetzt, damit wäre Wettbewerb in das System gekommen. Effizienzreserven hätte man heben können. Also Geld nicht ausgegeben, was nicht ausgegeben werden muss. An dieser Front macht die Regierung überhaupt nichts.
RPR1.: Also sie fordern es muss vor allem gespart werden?
Dr. Braun: Es ist nachvollziehbar, dass das Gesundheitswesen nicht günstiger wird, weil wir alle älter werden und wir wissen alle im zunehmenden Alter steigen die Kosten der Gesundheit, aber in einer solchen Situation muss ich versuchen alle Reserven aus dem System zu mobilisieren. Ich muss versuchen Wettbewerb in das System zu kriegen, damit die Kosten auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Da geschieht nichts.