21.01.2010: Die Rheinpfalz 

 Die Lokalredaktion Neustadt an der Weinstraße der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" berichtete über das Forum "Verwaltung trifft Wirtschaft", das in den Räumlichkeiten der SGD-Süd stattgefunden hat. Der Abdruck des Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rheinpfalz:


Rheinpfalz vom 21.01.2010 – Mittelhaardter Rundschau


Gegenseitig Haare schneiden - das reicht nicht

„Verwaltung trifft Wirtschaft" - die Struktur- und Genehmigungsdirektion hatte eingeladen und einer Kollision der Kulturen vorgebeugt

Von Jörg Schmihing

Veranstaltungen wie diese leben von der Verheißung. „Verwaltung trifft Wirtschaft" - das klingt nicht ungefährlich. Das klingt nach Kollision der Kulturen - hier Bürokratie, dort Profitstreben, hier Behäbigkeit, dort Mobilität. Beim Gipfeltreffen zwischen Politik, Behördenvertretern und Unternehmen im Gebäude der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd gestern Abend hatten sich die Beteiligten auf dem Kammerton gegenseitiger Respektsbekundungen eingesungen.

Die von RHEINPFALZ-Chefredakteur Michael Garthe befragte Runde auf dem Podium bemühte sich auffällig darum, in Anwesenheit des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Hendrik Hering (SPD) und des BASF-Aufsichtsratsvorsitzenden Eggert Voscherau die gängigen Klischees nur zu streifen und nicht zu strapazieren - was automatisch schwerere Kollisionen ausschließt. Auf Kontroverse war die Versuchsanordnung schon gar nicht angelegt: Johannes Heger, Geschäftsführer des Mittelständlers Heger Guss GmbH in Enkenbach-Alsenborn, warb mit seinem 81 Tage kurzen Genehmigungsverfahren für schnelle unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Behörden und Unternehmen.

Politisch nicht unbrisant, aber gestern als Erfolgsstory rheinland-pfälzischer Entscheidungsfreude vermittelt: der Vögele-Umzug von Mannheim nach Ludwigshafen. Da dürfte mancher Neustadter nicht ganz so glücklich geguckt haben, weil der weltgrößte Konstrukteur von Straßenbaumaschinen sich auch an der Weinstraße nach geeignetem Gelände umgesehen haben soll. Das wäre was gewesen: 1100 Arbeitsplätze, ein tüchtiger Gewerbesteuerzahler. Da mag Voscherau noch so sehr den Blick weg vom regionalen Wettbewerb der Verwaltungen hin zur globalen Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen fordern. Bei solchen Gelegenheiten ist Kommunen das Hemd näher als die Hose.

Den unverdrossen gut gelaunten Lobbyisten gab der Geschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, Werner Simon. Der fackelte nicht lange, sondern setzte dem wohltemperierten Ausgleichsdenken die entspannte Fröhlichkeit des Erfolgs entgegen: Ihm sei es schon lieber, in Rheinland-Pfalz würde die SGD gute und schnelle Arbeit abliefern und die Mannheimer gucken in die Röhre als umgekehrt. Simon legte nach: Man müsse die Notwendigkeit industrieller Arbeitsplätze noch klarer formulieren - was er dann auch tat: „Wir können nicht davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden." Man lernt nie aus...

 

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