29.03.2010: RPR1.-Interview 

RPR1.: Der Frühling kommt und beschert uns zur Abwechselung mal richtig gute Nachrichten aus der Wirtschaft. Die rheinland-pfälzische Industrie ist mit deutlichem Umsatzplus ins neue Jahr gestartet. Im Januar legten die Erlöse im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast acht Prozent zu. Damit war das Plus sogar größer als im Bundesschnitt. Diese Zahlen wollen wir einordnen, zusammen mit Werner Simon, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz. Herr Simon – fast acht Prozent mehr Umsatz, das klingt ja erstmal gigantisch.  

Werner Simon: Wir können es sehr gut gebrauchen, dass die Wirtschaft allmählich wieder Tritt fasst, aber man darf dabei nicht verkennen, aus welch tiefem Loch wir kommen. Tatsächlich war der Zuwachs in einzelnen Branchen im Dezember sogar noch etwas besser. Das Entscheidende ist, dass wir uns tatsächlich im Aufwärtstrend bewegen und das hoffentlich nicht nur eine kleine Zacke nach oben ist, die wieder runter geht.  

RPR1.:
Also Sie sagen: Vorsicht – die Krise ist noch nicht vorbei.  

Simon: Ja das ist viel zu früh. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Wir haben sehr viel aufzuholen gegenüber der Zeit vor der Krise und da reichen solche Prozentsätze von unter zehn Prozent natürlich alleine genommen nicht. Das muss so weiter gehen, dazu müssen wir die Rahmenbedingungen entsprechend bestimmen.  

RPR1.:
Was sind das für Rahmenbedingungen? Was kann die Pollitik da beispielsweise tun?  

Simon: Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass die Firmen im beginnenden Aufschwung mit genügend Kapital versorgt werden, damit sie Waren kaufen können, damit sie in neue Produkte investieren können. Wir wollen keine Kreditklemme herbeireden. Es darf aber auch nichts passieren, was die Kredite verteuert. Wir brauchen alles, was den Aufschwung stützt, dazu gehört sicher auch die Verlängerung der Sozialabgabenerstattung beim Kurzarbeitergeld. Auch hier ist es dringend notwenig, möglichst viele Menschen in Arbeit zu halten. Zum Einen, weil das natürlich binnenwirtschaftliche Effekte hat und zum Anderen, weil die Unternehmen im beginnenden Aufschwung ihre qualifizierten Mitarbeiter dringend benötigen.  

RPR1.: Zum Schluss, Herr Simon, wenn Sie eine Schulnote geben müssten, wie ist im Moment der Zustand der rheinland-pfälzischen Industrie?  

Simon:
Ja, bei aller Liebe komme ich da über ein „ausreichend“ nicht hinaus. Wir wünschen uns mehr, aber der Zustand ist leider noch nicht zufriedenstellend.

 

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