• Arbeitslosigkeit im Januar saisonüblich gestiegen – aber weniger stark als in früheren Jahren• Ursachen: jahreszeitliche Einflüsse und Kündigungen zum Jahresende
• Kräftenachfrage der Wirtschaft bewegte sich auf Vorjahresniveau
• Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm weiter zu – am stärksten im Verarbeitenden Gewerbe und bei unternehmensnahen Dienstleistern
Die Arbeitslosigkeit hat im Januar 2012 in Rheinland-Pfalz deutlich zugenommen. Verantwortlich dafür waren zum einen Kündigungen und das Auslaufen von Zeitverträgen in Angestelltenberufen zum Jahresende. Zum anderen meldeten sich aus jahreszeitlichen Gründen mehr Arbeitnehmer der Bauwirtschaft, der Industrie der Steine und Erden sowie von Transportunternehmen arbeitslos als sonst. Abgesehen von dieser saisontypischen Entwicklung blieb der Arbeitsmarkt aber insgesamt stabil.
Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte, waren im Januar 2012 in Rheinland-Pfalz insgesamt 117.800 Frauen und Männer arbeitslos, 13.400 oder 12,8 Prozent mehr als vier Wochen zuvor. Der Anstieg blieb hinter dem langjährigen Durchschnitt (plus 14.500) zurück.
Dadurch ist der Abstand zum Vorjahresniveau wieder etwas größer geworden. Im Januar 2012 wurden 10.300 oder 8,1Prozent Arbeitslose weniger gezählt als ein Jahr zuvor.Die Arbeitslosenquote – berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen – stieg von 5,0 Prozent im Dezember 2011 auf 5,6 Prozent im Januar 2012. Im Januar vergangenen Jahres hatte sie noch bei 6,1 Prozent gelegen.
Nach Einschätzung von Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, hält die positive Grundströmung am Arbeitsmarkt weiter an. Allerdings sei sie im Januar – und möglicherweise auch noch im Februar – von saisonalen Einflüssen überlagert worden. Es gäbe keinen Grund, die aktuelle Zunahme der Arbeitslosigkeit über zu bewerten.
„Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsentwicklung der vergangenen zwölf Monate war schon beachtlich. So ist nicht nur die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutlich gestiegen und im Gegenzug dazu die Zahl der registrierten Arbeitslosen im beachtlichen Umfang gesunken, sondern auch die Unterbeschäftigung konnte beträchtlich abgebaut werden“, sagte Heidrun Schulz.
Die Entwicklung der Unterbeschäftigung, bei der neben der registrierten Arbeitslosigkeit etwa auch die Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Förderprogrammen beobachtet werden, macht eines deutlich: Das Defizit an Arbeitsplätzen ist geringer geworden. Im Januar 2012 belief sich die Zahl der „Unterbeschäftigten“ in Rheinland-Pfalz auf 157.500 – das waren 16.900 oder 9,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Schulz erwartet in den nächsten Wochen und Monaten keine grundsätzliche Kehrtwende in der Arbeitsmarktentwicklung. Allerdings sei nur noch mit einer eher gedämpften Aufwärtsentwicklung zu rechnen.
Im Januar traditionell starke Neuzugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit – Kräftebedarf der Unternehmen etwa gleich stark wie im vergangenen Jahr – Mitte Januar waren rund 20.700 Stellen zu besetzen
Im Januar registrieren Arbeitsagenturen und Jobcenter traditionell die stärksten Neuzugänge in die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf. In den vergangenen vier Wochen haben sich rund 19.900 Frauen und Männer im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet, gut 7.200 mehr als im Dezember. Vor allem aus dem Baugewerbe, der Industrie der Steine und Erden, dem Logistikbereich und dem Handel meldeten sich mehr Beschäftigte neu arbeitslos.
Die Nachfrage der rheinland-pfälzischen Betriebe nach neuen Mitarbeitern fiel mit 6.400 neuen Stellenangeboten etwa gleich stark aus wie vor einem Jahr. Auch wenn in den kommenden Wochen eine Belebung zu erwarten ist, so scheint doch sicher, dass die Zuwächse eher geringer als in der Vergangenheit ausfallen werden.
Zur Monatsmitte waren noch insgesamt 20.700 betriebliche Stellen zu besetzen, 4.300 oder 25,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Einzelnen:
Jahreszeit führte zum mehr Arbeitslosen in Bauberufen, Verkehrsberufen und in Berufen des Gastgewerbes – im Vergleich mit Vorjahresergebnissen zeigt sich aber, dass fast alle Personengruppen bessere Arbeitsmarktbedingungen vorfinden
Die jahreszeitliche Komponente der Januar-Entwicklung lässt sich an einzelnen Berufsgruppen sehr gut ausmachen. So ist die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen vier Wochen in den Bauberufen um knapp 1.500 auf 7.200 gestiegen. In den Verkehrsberufen im weiteren Sinne nahm sie um knapp 1.200 auf rund 17.300 und in den Berufen des Gastgewerbes um 500 auf 4.600 zu.
Von der saisonüblichen Entwicklung waren ländliche Regionen stärker als die städtischen Zentren betroffen. So stiegen die Arbeitslosenzahlen vor allem in den Kreisen Cochem-Zell, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Rhein-Hunsrück-Kreis und Vulkaneifel an.
Der Vergleich mit den Ergebnissen des vergangenen Jahres macht deutlich, wie sehr sich die Lage am Arbeitsmarkt seither verbessert hat. Insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen binnen zwölf Monaten um gut 10.300 oder 8,1 Prozent gesunken. Von dieser Entwicklung konnten nahezu alle Personengruppen profitieren.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm weiter zu – neue Arbeitsplätze entstanden insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe und bei unternehmensnahen Dienstleistern
Im November 2011 – das ist der aktuellste Stand mit hochgerechneten Daten – waren in Rheinland-Pfalz rund 1,273 Millionen Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 28.400 oder 2,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist.Arbeitsplatzgewinne stellten sich vor allem im Verarbeitende Gewerbe (plus 7.200 auf 313.300) sowie bei den unternehmensnahen Dienstleistern (plus 4.900 auf 99.500) ein. Mehr Beschäftigte als vor einem Jahr gab es aber auch im Bereich Erziehung und Unterricht (plus 3.300 auf 51.400), in der Zeitarbeitsbranche (plus 2.300 auf 31.900) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (plus 3.900 auf 176.700).