Der rheinland-pfälzische Arbeitsmarkt im Oktober 2009 

  • Arbeitslosenzahl: 117.400
  • Arbeitslosenquote: 5,6 %
  • Vergleich Vormonat: minus 4.900 Arbeitslose (Quote Vormonat: 5,8 %)
  • Vergleich Vorjahr: plus 10.500 Arbeitslose (Quote Vorjahr: 5,1 %)

Im Oktober 2009 ist die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz auffallend deutlich zurückgegangen. Die leichte Aufhellung der Stimmung in vielen Unternehmen hat in Verbindung mit der Kurzarbeit den Druck, Personalanpassungen jetzt vorzunehmen, möglicherweise gemindert. Entscheidender für die Entwicklung war aber, dass erneut viele Arbeitslose die Förderangebote der Agenturen für Arbeit und der Job-Center annahmen und damit vorübergehend aus der registrierten Arbeitslosigkeit ausgeschieden sind. Der aktuelle Verlauf sollte nicht zuletzt auch deshalb nicht überschätzt werden, weil die Kräftenachfrage und die Beschäftigtenentwicklung weiter negative Vorzeichen tragen.

Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im Oktober 2009 in Rheinland-Pfalz rund 117.400 Frauen und Männer arbeitslos, 4.900 oder 4,0 Prozent weniger als ein Monat zuvor. Die Zahl der Arbeitslosen lag im Oktober 2009 um 10.500 oder 9,9 Prozent höherals vor einem Jahr. Auch hier gilt, dass ohne den Ausbau der Fördermaßnahmen die Arbeitslosigkeit binnen Jahresfrist sehr viel deutlicher zugenommen hätte.  Die Arbeitslosenquote – berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen – ist von 5,8 Prozent im September auf 5,6 Prozent im Oktober 2009 zurückgegangen. Vor einem Jahr hatte sie bei 5,1 Prozent gelegen.

Der Chef der Regionaldirektion, Otto-Werner Schade, bleibt bei seiner eher kritischen Einschätzung, was die weitere Entwicklung angeht: „Die Wirtschaft hat sich zwar wieder gefangen, der Aufstieg aus dem Konjunkturtal wird aber dennoch ein weiter, steiniger Weg sein. Die Impulse sind für eine Stabilisierung der Beschäftigung noch zu schwach. Ich hoffe aber, dass sie das Vertrauen in die Brückenfunktion der Kurzarbeit stärken und damit den zu erwartenden Beschäftigungsrückgang dämpfen können“.

Um die Zeit der Arbeitslosigkeit zu nutzen, unterbreiten die Arbeitsagenturen und die Job-Center den Arbeitsuchenden verstärkt Förderangebote. Weiterbildungsmöglichkeiten zählen genau so dazu wie individuelle Aktivierungs- und Integrationsmaßnahmen. Ohne diese Angebote wären gegenwärtig in Rheinland-Pfalz etwa 37.000 Frauen und Männer mehr arbeitslos. Fasst man alle diese Personen, die eigentlich noch sehr nah an der Arbeitslosigkeit sind oder wegen gesetzlicher Regelungen nicht als Arbeitslose betrachtet werden, mit den registrierten Arbeitslosen zusammen, dann errechnet sich gegenwärtig eine Unterbeschäftigung von rund 154.000 Personen –20.500 mehr als vor einem Jahr.

In den vergangenen vier Wochen haben sich bei den rheinland-pfälzischen Agenturen für Arbeit und Job-Centern rund 12.400 Frauen und Männer in direktem Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet, 200 mehr als vier Wochen zuvor, aber knapp 900 weniger als im Oktober vergangenen Jahres. Die leichte Zunahme gegenüber September ist auf das vorangegangene Quartalsende zurückzuführen, zu dem in Angestelltenberufen Kündigungen ausgesprochen wurden. Die Tatsache, dass sich weniger Beschäftigte als im Oktober arbeitslos meldenmussten, könnte auf eine gewisse Stabilisierung hindeuten.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich im Oktober abgeschwächt. Die Unternehmen meldeten den Arbeitgeber-Teams der Arbeitsagenturen knapp 7.300 Stellenangebote, 900 weniger als vor einem Jahr. Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes traten nur noch selten als Nachfrager auf – im Dienstleistungssektor war das Bild eher uneinheitlich. Weniger Stellenangebote gab es vom Handel und vor allem von der Zeitarbeit, mehr dagegen meldeten vor allem das GesundheitsundSozialwesen.Mitte Oktober waren noch rund 13.600 betriebliche Stellen unbesetzt, 3.900 weniger als vor einem Jahr. Die Wirtschaftskrise hat bisher vor allem das Verarbeitende Gewerbe und die Zeitarbeit betroffen.

Wegen der hohen Männerpräsenz in diesen Bereichen ist gegenüber Herbst letzten Jahres vor allem die Zahl der arbeitslosen Männer gestiegen, und zwar um 10.400 auf 63.100. Die Zahl der arbeitslosen Frauen lag im Oktober 2009 dagegen nur geringfügig über dem Vorjahresniveau (plus 100). Im Oktober nahm die Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld I) ebenso ab wie im Bereich der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II). Beim Vergleich mit den Vorjahreszahlen zeigt sich aber deutlich, dass wegen der Nähe zum Beschäftigungssystem die Arbeitslosigkeit vor allem im Bereich des Arbeitslosengeldes I zugenommen hat – binnen eines Jahres um 6.700 auf 45.500. Im Bereich vom Arbeitslosengeld II reagierte die Arbeitslosigkeit auf die konjunkturellen Veränderungen dagegen sehr viel weniger. Hier hat die Zahl der Arbeitslosen in zwölf Monaten „nur“ um rund 3.900 auf 71.800 zugenommen. 

Nach wie vor sind die einzelnen Teile des Landes sehr unterschiedlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Weiterhin sehr niedrig ist sie im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Arbeitslosenquote 3,1 Prozent), im Kreis Trier-Saarburg (3,2 Prozent), in der Region Bernkastel-Wittlich (3,4 Prozent), im Kreis Cochem-Zell (3,7 Prozent) sowie im Rhein-Pfalz-Kreis und im Kreis Südliche Weinstraße (jeweils 3,9 Prozent).  Die höchsten Arbeitslosenquoten wurden auch im Oktober 2009 für die beiden Städte Kaiserslautern (10,5 Prozent) und Pirmasens (14,5 Prozent) errechnet.

Im August 2009 – das ist der aktuellste Datenstand – waren in Rheinland-Pfalz insgesamt 1,213 Millionen Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Vergleicht man den Beschäftigungsrückgang in zwölf Monaten um „nur“ rund 9.000 oder 0,7 Prozent mit dem dramatischen Verlauf bei den Aufträgen, dann ist die Beschäftigung noch ein „Hort der Stabilität“. Dank Kurzarbeit konnten bisher viele Arbeitsplätze gesichert und ein Beschäftigungseinbruch verhindert werden. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass im Verarbeitenden Gewerbe im August rund 11.300 oder 3,6 Prozent und in der Zeitarbeit fast 7.900 oder 27,2 Prozent Arbeitnehmer weniger beschäftigt waren als vor einem Jahr. Im Dienstleistungssektor – ohne Zeitarbeit – ist die Beschäftigung insgesamt noch sehr stabil. Das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 5.500 oder 3,5 Prozent) blieb auf Wachstumskurs.

 

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