Der rheinland-pfälzische Arbeitsmarkt im November 2009 

  • - Arbeitslosenzahl: 116.700
  • - Arbeitslosenquote: 5,6 %
  • - Vergleich Vormonat: minus 700 (Quote Vormonat: 5,6 %)
  • - Vergleich Vorjahr: plus 9.400 (Quote Vorjahr: 5,2 %)


Die Rezession hat zwar ihre Spuren auf dem rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt hinterlassen. Angesichts eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts um mehr als sieben Prozent im ersten Halbjahr 2009 sind die Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bisher aber insgesamt moderat ausgefallen. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren Mitte November 2009 in Rheinland-Pfalz insgesamt 116.700 Frauen und Männer arbeitslos, 700 oder 0,6 Prozent weniger als vier Wochen zuvor. Beim Vergleich mit dem Vorjahresniveau werden die Folgen des wirtschaftlichen Abschwungs etwas deutlicher. Im November 2009 wurden 9.400 oder 8,8 Prozent Arbeitslose mehr gezählt als ein Jahr zuvor. Dieser Abstand zum Vorjahr hat sich in den letzten Monaten zumindest nicht vergrößert. Die Arbeitslosenquote blieb im November mit 5,6 Prozent unverändert. Vor einem Jahr hatte sie 5,2 Prozent betragen. 

Der Chef der regionalen Arbeitsagentur Rheinland-Pfalz-Saarland, Otto-Werner Schade, sieht in den flexiblen Arbeitszeitmodellen, die von den Tarifpartnern in den vergangenen Jahren miteinander vereinbart worden waren, und in der Kurzarbeit die wichtigsten Garanten für das bisherige gute Abschneiden. „Die weitaus meisten Unternehmen haben diese Möglichkeiten genutzt, um ihre Fachkräfte zu halten. Sie haben der Beschäftigungsbrücke Kurzarbeit vertraut, obwohl damit, trotz entlastender Regelungen, Kosten verbunden sind. Ich hoffe, dass ihr Vertrauen in die Kurzarbeit noch möglichst lange aufrecht erhalten bleibt, denn aufgrund der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Entwicklung könnten sie möglicherweise in absehbarer Zeit wieder festen Boden unter den Füßen haben“, kommentierte Schade die Entwicklung der letzten Monate.

Er wollte aber nicht ausschließen, dass es trotz dieser Hoffnung im Jahr 2010 zu einem Ansteigen der Arbeitslosenzahlen kommen kann. „Vieles wird davon abhängen, wie die Antwort der Unternehmen auf die Frage ausfallen wird: was ist teurer - Fachkräfte entlassen oder Fachkräfte nach der Krise neu rekrutieren?“, soSchade. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Kurzarbeit die Beschäftigung in Rheinland-Pfalz stärker denn je stabilisiert. Im Durchschnitt waren in den ersten neuen Monaten dieses Jahres rund 48.200 Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen, das sind rund vier Prozent aller Beschäftigten. Ihren höchsten Stand hatte die Kurzarbeit im Mai erreicht, als in 2.573 Betrieben insgesamt 63.300 Arbeitnehmer betroffen waren. Das war der höchste Stand der Kurzarbeit der letzten Jahrzehnte überhaupt. In den Folgemonaten ist die Zahl der Kurzarbeiter nach und nach gesunken. Im September – das ist der aktuellste Stand – arbeiteten in 2.322 rheinland-pfälzischen Firmen noch rund 41.700 Arbeitnehmer kurz. Der durchschnittliche Arbeitsausfall betrug etwa ein Drittel, sodass rein rechnerisch zu diesem Zeitpunkt durch Kurzarbeit gut 13.700 Arbeitnehmer vor Arbeitslosigkeit bewahrt werden konnten.  

In den vergangenen elf Monaten haben sich in Rheinland-Pfalz knapp 156.000 Personen in direktem Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet, 16.700 oder 12,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Diese Spuren der wirtschaftlichen Entwicklung waren allerdings in der ersten Jahreshälfte sehr viel stärker ausgeprägtals in der zweiten. Im November lagen die Neuzugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit mit 12.800 sogar um knapp 900 unter denen des Vorjahres.

Die geringere Einstellungsbereitschaft der Unternehmen erschwert zwar die Rückkehr von Arbeitslosen in die Erwerbstätigkeit, dennoch gelingt sie Monat für Monat vielen Betroffenen. Die Chancen sind innerhalb der Berufe sehr verschieden, denn die Rezession hat insbesondere die Fertigungsberufe und weniger die Dienstleistungsberufe betroffen. Von Januar bis November konnten insgesamt 123.800 Arbeitslose wieder ins Berufsleben einsteigen, 4.500 oder 3,5 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage der Betriebe nach Arbeitskräften hat sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau stabilisiert. Im November sind noch knapp 6.500 betriebliche Stellenangebote bei den Arbeitgeber-Teams der Arbeitsagenturen eingegangen, 400 weniger als vor einem Jahr. Als Nachfrager traten in den letzten vier Wochen der Handel, das Gesundheits- und Sozialwesen, die Bauwirtschaft und – wieder –Zeitarbeitsfirmen auf. In den vergangenen elf Monaten wurden von den Betrieben insgesamt 74.500 Stellenangebote gemeldet, 12.700 oder 14,5 Prozent weniger als 2008. Mitte November waren noch 12 800 betriebliche Stellen unbesetzt, 2.100 wenigerals vor einem Jahr.     

Die Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen zwölf Monaten vor allem im beschäftigungsnahen Bereich der Arbeitslosenversicherung – Zuständigkeit der Arbeitsagenturen– gestiegen, und zwar um 4.700 oder 11,7 Prozent auf rund 44.800. Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende – Zuständigkeit der Jobcenter –erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen noch relativ moderat um 4.700 oder 7,0 Prozent auf insgesamt 71.800. Deutliche Unterschiede sind auch bei einer Betrachtung nach Geschlechtern auszumachen. Weil der Anteil von Männern an den Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe im Allgemeinen und in den konjunturreagiblen Branchen Metallindustrie, Maschinenbau und Fahrzeugbau im Besonderen überdurchschnittlich hoch ist, sind sie auch von der wirtschaftlichen Entwicklung besonders betroffen. So ist die Zahl der arbeitslosen Männer binnen zwölf Monaten um 9.100 oder 16,8 Prozentauf 63.100 gestiegen. Frauen sind dagegen vor allem im Dienstleistungssektor tätig, der von der wirtschaftlichen Entwicklung bisher noch weitgehend verschont geblieben ist. Dies erklärt im Wesentlichen die geringe Zunahme der Zahl der arbeitslosen Frauen um 300 oder 0,6 Prozent auf 53.600.

Die Zahl der älteren Arbeitslosen nimmt gegenwärtig wieder deutlicher zu - innerhalb eines Jahres um 2.100 oder 7,4 Prozent auf 31.200. Dieser Anstieg ist aber in der Hauptsache mit dem Wegfall von vorruhestandsähnlichen Regelungen in Verbindung zu bringen und kann kaum als Hinweis auf besondere Arbeitsmarktprobleme dienen.

Die regionalen Arbeitslosenquoten reichen von 3,0 Prozent im Eifelkreis Bitburg-Prüm und 3,1 Prozent im Landkreis Vulkaneifel bis zu 10,2 Prozent in der Stadt Kaiserslautern und 14,4 Prozent in der Stadt Pirmasens. Die Bandbreite der Arbeitslosenquote ist in den vergangenen zwölf Monaten breiter geworden. Insgesamt 69.900 Frauen und Männer nutzten im November 2009 die Förderangebote von Arbeitsagenturen und Jobcenter. In diesen zwölf Monaten hat vor allem die Zahl der Teilnehmer an Weiterbildungskursen zugenommen – und zwarum 1.300 oder 22,5 Prozent auf mehr als 7.000.

Ausgebaut haben die Arbeitsagenturen und Jobcenter auch ihre Förderangebote zur Berufsausbildung Jugendlicher. Mit einem Anteil von gut 36 Prozent aller Teilnehmer profitieren junge Leute unter 25 Jahren überdurchschnittlich von den Förderangeboten. In Rheinland-Pfalz waren im September 2009 – das ist der aktuellste Datenstand– insgesamt 1,222 Millionen Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, knapp 6.600 oder 0,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. In den meisten anderen westdeutschen Ländern ist die Beschäftigung in dieser Zeit deutlicher gesunken. Bei dem Vergleich ist aber immer zu bedenken, dass die Beschäftigung im Herbst letzten Jahres den höchsten Stand seit Jahren erreicht hatte. Die Zahl der Beschäftigten ist von August auf September 2009 um rund 8.200 gestiegen, aber auch bei dieser Entwicklung darf etwas nicht übersehen werden. Sie ist jahreszeitlich üblich und vor allem auf den Beginn des neuen Ausbildungsjahres zurückzuführen.

In den vergangenen zwölf Monaten haben vor allem das Verarbeitende Gewerbe (minus 11.600) und die Zeitarbeit (minus 7.600) Arbeitsplätze abgebaut. Die Beschäftigung im Baugewerbe entwickelte sich als Folge der konjunkturstützenden Maßnahmen in den letzten Monaten stabil. Im Dienstleistungssektor – ohne die Zeitarbeit – nahm die Beschäftigung bis zuletzt weiter zu. Dies gilt insbesondere für das Gastgewerbe, die Bereiche Erziehung und Unterricht sowie Gesundheits- und Sozialwesen. 

 

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