Der rheinland-pfälzische Arbeitsmarkt im Januar 2010 

  • Arbeitslosenzahl: 133.900
  • Arbeitslosenquote: 6,4 %
  • Vergleich Vormonat: plus 13.800 (Quote Vormonat: 5,7 %)
  • Vergleich Vorjahr: plus 3.500 (Quote Vorjahr: 6,3 %)

In den ersten vier Wochen des Jahres 2010 hat die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz deutlich zugenommen. Für die Entwicklung waren gleich mehrere Faktoren verantwortlich: Zum einen erschwerten die winterlichen Bedingungen die Arbeiten der Bauwirtschaft, der Baustoffhersteller, des Transportgewerbes und führten zu Entlassungen. Zudem schlossen an Rhein, Mosel und Ahr weitere Hotels bis zum Beginn der neuen Saison im Frühjahr ihre Pforten und entließen Personal. In den kaufmännischen und in den Dienstleistungsberufen erfolgten Kündigungen zum Quartalsende oder es liefen befristete Arbeitsverträge aus. Nicht ganz ohne Einfluss auf die Entwicklung war aber auch die weiterhin schwierige wirtschaftliche Lage.

Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer in Rheinland-Pfalz im Januar 2010 um knapp 13.800 oder 11,5 Prozent auf insgesamt 133 900 gestiegen. Diese Zunahme lag leicht über dem langjährigen Durchschnitt.

In den letzten zwölf Monaten nahm die Zahl der Arbeitslosen um 3 500 oder 2,7 Prozent zu. Die noch immer recht moderate Zunahme macht deutlich, dass die regionale Wirtschaft weiter an ihren Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung festhält.

Die Arbeitslosenquote – berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen – stieg von 5,7 Prozent im Dezember 2009 auf 6,4 Prozent im Januar 2010. Vor einem Jahr hatte sie 6,3 Prozent betragen.

Nach Ansicht der designierten Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, Heidrun Schulz, lässt sich die weitere Entwicklung gegenwärtig nur schwer einschätzen. Auf der einen Seite seien die positiven Signale – mehr Aufträge vor allem aus dem Ausland, vorsichtig optimistische Einschätzung der Lage durch die Wirtschaft – nicht mehr zu übersehen, auf der anderen Seite nehme aber auch der Druck auf die Betriebe zu, die Produktivität zu verbessern, was im Ergebnis zum Verlust von Arbeitsplätzen führen könne, so Schulz.

„Ich hoffe, dass das Kurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit den Betrieben noch recht lange helfen kann, die bestehenden Arbeitsplätze zu sichern. Weil die Betriebe aber auch bei der Kurzarbeit einen Teil der Personalkosten selbst tragen müssen, könnte es irgendwann Entscheidungen gegen eine Fortführung der Kurzarbeit und für Personalreduzierungen geben. So realistisch sollten wir die Entwicklung schon sehen. Wegen der aktuellen wirtschaftlichen Erholung kann es aber glimpflicher ausgehen, als wir vielleicht noch vor einem halben Jahr angenommen haben“, meinte Schulz

Aus jahreszeitlichen Gründen deutlich mehr Neuzugänge aus Beschäftigung in Arbeitslosigkeit als im Dezember – auch in schwierigen Phasen gelingt der Übergang aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit – Kräftebedarf der rheinland-pfälzischen Wirtschaft wieder auf stabilem Pfad

Im Januar haben sich insgesamt 22.000 Frauen und Männer im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet, rund 8.500 mehr als im Dezember. Vor allem in Berufen, deren Arbeiten Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, stiegen die Arbeitslosmeldungen an. Beim Vergleich mit den Vorjahresdaten fällt auf, dass sich im Januar 2010 weniger Arbeitnehmer aus dem Verarbeitenden Gewerbe und der Zeitarbeitsbranche arbeitslos meldeten als vor einem Jahr. Damals waren gerade in diesen konjunkturellen Schlüsselbereichen als erste Reaktion auf den massiven Auftragsrückgang Zeitverträge ausgelaufen oder Kündigungen ausgesprochen worden.

Auch in wirtschaftlich nicht ganz einfachen Zeiten gelingen noch immer Übergänge aus der Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit. Im Januar konnten so rund 9.200 Arbeitslose die „Seiten wechseln“, jeweils fast 1.000 mehr als vor einem Monat und 500 mehr als vor einem Jahr.

Die Kräftenachfrage der rheinland-pfälzischen Betriebe hat sich seit Mitte 2009 stabilisiert. Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagenturen und Arbeitsgemeinschaften sind in den vergangenen vier Wochen von den Unternehmen 6.000 Stellenangebote gemeldet worden, 1.200 oder 23,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Als Anbieter traten vor allem Zeitarbeitsfirmen, das Gastgewerbe und Logistikunternehmen auf. Ob diese Belebung dauerhaft ist, wird sich in den nächsten Wochen beweisen müssen.

Zur Monatsmitte waren noch insgesamt 13.100 betriebliche Stellen zu besetzen, gut 1.000 mehr als im Januar 2008. Auch darin zeigt sich, dass die Kräftenachfrage wieder einen etwas stabileren Pfad eingeschlagen hat.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Einzelnen:

Mehr Arbeitslose in Saison- und in Angestelltenberufen – aktuelle Entwicklung betraf Männer stärker als Frauen – Ausläufer der Krise erreichen die Grundsicherung für Arbeitsuchende

Im Januar 2010 ist die Zahl der Arbeitslosen aufgrund jahreszeitlicher Einflüsse vor allem in den Bauberufen (um 2.800 auf 11.000), in den Verkehrsberufen (um 1.900 auf 16.900), in den land- und forstwirtschaftlichen Berufen (um 700 auf 3.900) und bei den Baustoffherstellern (um 300 auf 500) gestiegen. Aufgrund von Kündigungen zum Quartalsende und auslaufenden Zeitverträgen nahm die Arbeitslosigkeit bei den Warenkaufleute (um 900 auf 14.300) sowie in den Verwaltungs- und Büroberufen (um 1.000 auf 15.100) zu.

Von der aktuellen Entwicklung waren erneut Männer stärker als Frauen betroffen. So ist die Zahl der arbeitslosen Männer in den letzten vier Wochen um 9.900 oder 15,1 Prozent auf rund 75.800 gestiegen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen erhöhte sich „nur“ um 3.900 oder 7,1 Prozent auf 58.100. Trotz dieser Zunahme liegt die Frauenarbeitslosigkeit noch geringfügig niedriger als vor einem Jahr (minus 1.000 oder 1,7 Prozent), während die der Männer seither um 6,3 Prozent angestiegen ist.

Die Auswirkungen der Rezession des vergangenen Jahres werden nun in der Grundsicherung für Arbeitsuchende deutlicher. Etwa seit Mitte 2009 steigt auch hier das Niveau der Arbeitslosigkeit sukzessive an – im Bereich der Arbeitslosenversicherung hatte diese Entwicklung bereits Ende 2008 eingesetzt. Mit der Dauer der Beschäftigungskrise nimmt die Zahl der Arbeitslosen zu, deren Ansprüche auf die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I erschöpft sind und die dann auf das aus Steuergeldern finanzierte Arbeitslosengeld II zurückgreifen müssen. Im Bereich der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II) lag die Zahl der Arbeitslosen im Januar 2010 mit 77.300 um 4.100 oder 5,6 Prozent höher als vor einem Jahr. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld I) wurden insgesamt 56.600 Arbeitslose gezählt, knapp 800 oder 1,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die jahreszeitlichen Einflüsse auf das aktuelle Arbeitsmarktgeschehen zeigen sich auch daran, dass die Arbeitslosigkeit vor allem in den Regionen gestiegen ist, in denen das Fremdenverkehrsgewerbe, die Bauwirtschaft und Baustoffhersteller für die Beschäftigung besonders wichtig sind. Zugenommen haben die Arbeitslosenzahlen in den letzten vier Wochen vor allem in den Kreisen Bernkastel-Wittlich (um 29,1 Prozent), Cochem-Zell (25,3 Prozent), Bitburg-Prüm (22,4 Prozent) und im Landkreis Vulkaneifel (19,6 Prozent).

Trotz dieser aktuellen Entwicklung bewegt sich die Arbeitslosigkeit in diesen eher ländlichen Regionen im Vergleich zum gesamten Land auf eher unterdurchschnittlichem Niveau. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten wiesen im Januar 2010 der Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Kreis Trier-Saarburg mit jeweils 3,9 Prozent auf, gefolgt vom Rhein-Pfalz-Kreis (4,1 Prozent) und dem Kreis Südliche Weinstraße (4,5 Prozent). Weiterhin sehr hoch ist die die Arbeitslosigkeit in den Städten Ludwigshafen (10,1 Prozent), Kaiserslautern (11,0 Prozent) und Pirmasens (15,5 Prozent).

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter recht stabil – Arbeitsplatzeinbußen im Verarbeitenden Gewerbe und in der Zeitarbeit stehen Gewinne im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Erziehung und Unterricht gegenüber

Im November 2009 – das sind die aktuellsten Daten – waren in Rheinland-Pfalz rund 1,2 Millionen Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 3.300 oder 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit ist die Beschäftigung im Land deutlich stabiler als in den meisten anderen westdeutschen Bundesländern.

Dennoch sind die Folgen der Krise auch in der Beschäftigungsbilanz des Landes kaum noch zu übersehen. So ist in den vergangenen zwölf Monaten die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe um rund 12.400 oder 3,9 Prozent auf 304.200 gesunken. In der Zeitarbeitsbranche hat sich die Beschäftigung im letzten Quartal 2009 zwar stabilisiert, dennoch wurden im November 3.900 oder 15 Prozent weniger Beschäftigte als ein Jahr zuvor gezählt.

In Teilen des Dienstleistungssektors nahm die Beschäftigung dagegen weiter zu – vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen (um 6.000 oder 3,8 Prozent auf 165.900), Bereich Erziehung und Unterricht (um 1.900 oder 4,3 Prozent auf 47.300) sowie im Hotel und Gaststättengewerbe (um 1.300 oder 3,7 Prozent auf 37.100).

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