 | 
- Arbeitslosenzahl: 116.600
- Arbeitslosenquote: 5,5 %
- Vergleich Vormonat: minus 2.500 (Quote Vormonat: 5,7 %)
- Vergleich Vorjahr: minus 11.000 (Quote Vorjahr: 6,1 %)
Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Erholung sind am rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt immer deutlicher zu erkennen. Im Juni 2010 nahm die Arbeitslosigkeit nunmehr im vierten Monat in Folge ab und unterschritt auch das Vorjahresniveau recht deutlich. Für diese Entwicklung waren im Wesentlichen zwei Faktoren entscheidend. Einerseits sind die Arbeitsplätze durch die bessere Auftragslage wieder sicherer geworden, so dass seltener Arbeitslosigkeit eintritt, andererseits suchen wieder mehr Betriebe neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alles zusammen führte letztlich wieder zu mehr Beschäftigung im Land.
Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit jetzt mitteilte, waren im Juni 2010 in Rheinland-Pfalz knapp 116 600 Frauen und Männer arbeitslos, fast 2 500 oder 2,1 Prozent weniger als vier Wochen zuvor.
Wie sehr sich die Lage in den letzten Monaten verbessert hat, wird beim Vergleich mit den Vorjahresergebnissen besonders deutlich. Im Juni 2010 waren so in Rheinland-Pfalz fast 11 000 Frauen und Männer weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor. Besonders hervorzuheben ist, dass die positive Entwicklung zwischenzeitlich auch die Arbeitslosigkeit im Bereich der Grundsicherung (Hartz IV) erreicht hat.
Die Arbeitslosenquote – berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen –sank von 5,7 Prozent im Mai auf 5,5 Prozent im Juni 2010. Zwölf Monate zuvor hatte sie noch 6,1 Prozent betragen. Ulrich Käser, Mitglied der Geschäftsführung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, zeigte sich von der Dynamik der Entwicklung überrascht. „Dass der Arbeitsmarkt so schnell auf die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung reagieren würde, konnte mit dem Wissen um die Verlaufsmuster von Rezessionen früherer Jahre eigentlich niemand erwarten. Es ist möglicherweise ein besonderes Kenn-zeichen dieser globalen Wirtschaftskrise“, meinte Käser.
Er wies darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zwölf Monaten auch im Vergleich zu den anderen westdeutschen Ländern recht deutlich gesunken sei und sich bereits wieder dem Niveau von kurz vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise nähere. Im Juni 2008 wurden mit 111 900 „nur“ 4 700 Arbeitslose weniger gezählt als gegenwärtig. Um noch niedrigere Daten zu finden, muss man bis in die frühen 1990-er Jahre zurückblicken.
Käser machte darauf aufmerksam, dass sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit spiegelbildlich fast eins zu eins in der Beschäftigtenentwicklung abbilde. Im April 2010 – aktuellere Daten liegen noch nicht vor – waren in Rheinland-Pfalz rund 1,209 Millionen Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 8 600 oder 0,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Höhere Beschäftigtenstände hatte es in einem Frühjahr nur in den frühen 1990-er Jahren in Rheinland-Pfalz gegeben.
Mit Blick auf den Beschäftigungsverlauf sagte Käser: „Die Beschäftigung ist im produzierenden Gewerbe bedingt durch die Kurzarbeit und die von den Tarifpartnern vereinbarten Beschäftigungspakte weit weniger stark eingebrochen, als oft befürchtet wurde. Was aber die wenigsten auf ihrer Rechnung hatten war, dass diese Arbeitsplatzverluste – rund 7 100 - durch die Zugewinne im Dienstleistungssektor - fast 15 000 - mehr als aufgewogen werden konnten.“
Für viele Beschäftigte hat sich das Risiko arbeitslos zu werden, in den vergangenen Wochen und Monaten merklich verringert. Der folgende Datenvergleich macht das besonders deutlich: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 – im Zentrum der Wirtschaftskrise – mussten sich noch rund 92 600 Personen unmittelbar im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos melden, im ersten Halbjahr 2010 waren dies „nur“ noch 78 800, 13 800 oder 14,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Im Juni 2010 haben sich auch bereits 1 200 jüngere Leute im Anschluss an eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung arbeitslos gemeldet – in den nächsten Wochen dürfte ihre Zahl weiter steigen. Ob und in welchem Umfang die „2. Schwelle“ auch 2010 wieder für Jugendliche zum „Stolperstein“ wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht bestimmen. Beobachtungen der Arbeitsvermittler deuten aber darauf hin, dass in diesem Jahr wohl deutlich mehr Auszubildende nach Ende der Lehrzeit von den Betrieben übernommen werden. Dafür sprechen die wirtschaftliche Erholung und die Einsicht der Unternehmen in das Näherrücken der demografischen Wende.
Immer mehr von Arbeitslosigkeit Betroffene spüren, dass sich die verbesserte wirtschaftliche Situation auch auf ihre berufliche Perspektive auswirkt. Immerhin konnten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 75 200 von ihnen wieder eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Das waren 6 900 oder 10,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2009.
Diese Entwicklung korrespondiert mit dem Einstellungsverhalten der rheinland-pfälzischen Betriebe. Sie meldeten den Arbeitsagenturen von Januar bis Juni 2010 rund 46 800 Stellenangebote, 8 100 oder 20,9 Prozent mehr als ein Jahr zu-vor. Die Tatsache, dass vier von fünf neuen Stellenangeboten von Unternehmen des Dienstleistungssektors gemeldet wurden, macht deutlich, wie sehr der Struk-turwandel das Jobangebot verändert. Größere Stellenanbieter waren hier das Gesundheits- und Sozialwesen (4 400 Stellen), das Gastgewerbe (4 500), der Handel (4 600) sowie der Bereich Verkehr und Lagerei (2 000). Allerdings ist auch die Einstellungsbereitschaft rund um die Produktion gestiegen. So meldete das Verarbeitende Gewerbe rund 3 900 Stellenangebote – 1 200 mehr als vor einem Jahr – und die Zeitarbeitsbranche mehr als 12 500 Stellenangebote (3 900 mehr als im ersten Halbjahr 2009).
Mitte Juni waren in Rheinland-Pfalz insgesamt 18 000 betriebliche Stellen zu besetzen – gut 5 000 mehr als vor einem Jahr. Der deutliche Anstieg des Stellenbestandes ist ausschließlich Ausdruck der höheren Einstellungsbereitschaft, denn die Vakanzzeit – vom Eingang des Stellenangebotes bis zu seiner Besetzung – entspricht fast exakt der vor einem Jahr.
Die Arbeitslosigkeit bewegte sich im Juni 2010 auf deutlich niedrigerem Niveau als vor einem Jahr. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld I) ist der Rückgang besonders auffällig. Hier verringerte sich die Arbeitslosenzahl innerhalb eines Jahres um gut 9 300 oder 17,8 Prozent auf rund 43 000. Die Entwicklung ist damit zu erklären, dass die meisten Arbeitslosen in diesem Bereich zuvor noch beschäftigt waren und daher besonders große Chancen auf eine Rückkehr ins Arbeitsleben haben.
Besonders erfreulich ist aber die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen im Bereich der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II). Auch sie liegen mittlerweile wieder unter Vorjahresniveau – und zwar um 1 600 oder 2,2 Prozent. Insgesamt werden 73 500 Arbeitslose diesem Bereich zugerechnet. Der Rückgang hat eine herausragende Ursache: Infolge der wirtschaftlichen Entwicklung müssen weniger Arbeitslose vom Arbeitslosengeld I zum Arbeitslosengeld II wechseln.
Die Arbeitslosigkeit Jüngerer unter 25 Jahren hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich zurückentwickelt. Im Juni 2010 wurden in dieser Altersgruppe rund 13 200 Arbeitslose gezählt, 2 900 oder 18,3 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor. Sie profitierten, insbesondere wenn sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten, von der wirtschaftlichen Entwicklung in besonderer Weise. Aber auch die Förderangebote von Arbeitsagenturen und Jobcenter kamen ihnen zugute.
Die Zahl der älteren Arbeitslosen – 50 Jahre und älter – zeigt noch kaum Reaktio-nen auf die wirtschaftlichen Veränderungen. Einmal mehr bestätigt sich, dass Ältere ein besonders hohes Verbleibrisiko tragen. Sind sie erst einmal arbeitslos, blei-ben sie es oft recht lange. Im Juni 2010 waren 33 100 Arbeitslose älter als 50 Jahre – nur 600 oder 1,9 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Die Metall- und Elektroberufe reagieren auf konjunkturelle Entwicklungen beson-ders deutlich. Das zeigt sich nun auch in der Aufschwungphase, denn in diesen Berufen ist die Zahl der Arbeitslosen binnen eines Jahres um 3 400 oder 27,9 Prozent auf 8 800 gesunken. Deutliche Rückgänge der Arbeitslosigkeit weisen auch die Bauberufe – um 1 400 oder 15,8 Prozent auf 7 300, die Chemieberufe - um 400 oder 30 Prozent auf 900 – und die Verkehrsberufe – um 1 700 oder 10,5 Prozent auf 14 100 – auf.
Die regionalen Arbeitslosenquoten streuten im Juni 2010 von 2,9 Prozent im Eifel-kreis Bitburg-Prüm, jeweils 3,2 Prozent in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg und 3,6 Prozent im Kreis Cochem-Zell bis zu 10,7 Prozent in der Stadt Kaiserslautern und 13,4 Prozent in der Stadt Pirmasens. Ein kleines positives Signal aus Pirmasens: die Arbeitslosenquote ist in den letzten zwölf Monaten um 1,7 Prozentpunkte gesunken, stärker als in jeder anderen Kommune.
In Rheinland-Pfalz waren im April 2010 – das ist der aktuellste Datenstand – 1,209 Millionen Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 8 600 oder 0,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das auch im Vergleich zu anderen Bundes-ländern deutliche Plus ist in erster Linie Ausdruck längerfristig angelegter Struktur-veränderungen, denn neue Jobs sind vor allem im Dienstleistungssektor hinzuge-kommen.
Im tertiären Sektor waren zuletzt fast 800 000 Menschen sozialversicherungs-pflichtig beschäftigt, 14 800 oder 2,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch wenn ein Teil der Arbeitsplatzgewinne in diesem Bereich dem Outsourcing von Industriearbeitsplätzen geschuldet ist – Auslagerung von Wachdiensten, Ingenieur- und Entwicklungsdiensten oder Zeitarbeitsbeschäftigte – für die langfristige Entwicklung war aber das Beschäftigungswachstum im Gesundheits- und Sozialwesen (plus 5 400 oder 3,4 Prozent) entscheidender.
Im Verarbeitenden Gewerbe in Rheinland-Pfalz, in dem etwa jeder zweite Arbeitsplatz vom Export abhängig ist, verringerte sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten um rund 7 100 oder 2,3 Prozent.
|  |