Der rheinland-pfälzische Arbeitsmarkt im Juli 2010 

  • Arbeitslosenzahl: 120.900
  • Arbeitslosenquote: 5,8 %
  • Vergleich Vormonat: plus 4.400 (Quote Vormonat: 5,5 %)
  • Vergleich Vorjahr: minus 10.400 (Quote Vorjahr: 6,3 %)


Im Juli 2010 ist die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz wieder gestiegen. Hauptursache waren die Schwierigkeiten vieler junger Leute beim Übergang von Ausbildung und Studium in Beschäftigung. Außerdem sind zum vorausgegangenen Quartalsende vor allem in den Angestelltenberufen Zeitverträge ausgelaufen oder Kündigungen ausgesprochen worden. Von der Entwicklung waren vor allem jüngere Leute unter 25 Jahren betroffen, deren Arbeitslosigkeit besonders deutlich zunahm. Die Regionaldirektion, die ihren neuesten Arbeitsmarktbericht am Donnerstag veröffentlichte, geht aber dennoch von einem Fortbestehen des positiven Trends am Arbeitsmarkt aus, der für eine begrenzte Zeit von jahreszeitlichen Entwicklungen überlagert sei.

Nach Angaben der Regionaldirektion waren im Juli 2010 insgesamt 120 900 Frauen und Männer arbeitslos, knapp 4 400 oder 3,8 Prozent mehr als vier Wochen zuvor. Diese Zunahme fiel im Vergleich zu den meisten Jahren zuvor recht deutlich aus. Dennoch blieb die Arbeitslosigkeit unter Vorjahresniveau – im Juli 2010 wurden insgesamt 10 400 oder 7,9 Prozent weniger Arbeitslose gezählt als zwölf Monate zuvor. Die Arbeitslosenquote – berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen – stieg von 5,5 Prozent im Juni auf 5,8 Prozent im Juli 2010. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 6,3 Prozent gelegen.

Für die Leiterin der Regionaldirektion, Heidrun Schulz, kam die Entwicklung nicht unerwartet. „Mit Beginn der Ferien- und Urlaubszeit melden sich jedes Jahr verstärkt Ausbildungsabsolventen arbeitslos, während auf der anderen Seite Betriebe ihre Einstellungsbereitschaft in dieser Zeit etwas zurücknehmen. Das Zusammentreffen der beiden gegenläufigen Entwicklungen lässt dann die Arbeitslosigkeit ansteigen. Das wird möglicherweise auch im August noch einmal der Fall sein. Es ändert aber nichts daran, dass der positive Trend am Arbeitsmarkt fortbesteht. Er wird lediglich kurzfristig von negativen saisonalen Einflüssen überlagert“, meinte Schulz.

Um die Schwierigkeiten beim Übergang vom Ausbildungs- ins Beschäftigungssystem im Sommer 2010 einordnen zu können, muss man wissen, dass vor gut drei Jahren in Rheinland-Pfalz die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ihren absoluten Höchststand erreichte. Das bedeutet, dass jetzt schätzungsweise zwischen 31 000 und 32 000 Auszubildende die „2. Schwelle“, den Übergang in die Beschäftigung, meistern müssen. Vieles spricht dafür, dass ihnen dies besser gelingen wird, als ihren Altersgenossen noch vor einigen Jahren. Wirklich messen wird man das Ergebnis allerdings wohl erst in zwei bis drei Monaten, denn auch in den nächsten Wochen ist mit Zugängen aus dem Ausbildungssystem in die Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter mussten im Juli so viele Arbeitslosmeldungen wie schon lange nicht mehr entgegennehmen. Rund 12 700 Frauen und Männer meldeten sich unmittelbar im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit arbeitslos, 2 400 mehr als vier Wochen zuvor. Vor allem aus dem Handel, dem Gesundheits- und Sozialwesen, den Bereichen Erziehung und Unterricht sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen meldeten sich deutlich mehr Arbeitnehmer, aber auch aus dem Verarbeitenden Gewerbe verstärkten sich die Arbeitslosmeldungen.

Knapp 7.100 meist junge Leute mussten sich im Anschluss an ein Studium, eine schulische oder betriebliche Ausbildung bei den rheinland-pfälzischen Arbeitsagenturen arbeitslos melden 5.300 mehr als im Juni und 200 mehr als vor einem Jahr. Schwerpunkte bildeten hier die Verkaufsberufe, Büroberufe, Gesundheitsberufe und andere Dienstleistungsberufe. Dabei handelte es sich sowohl um Auszubildende, trotz erfolgreichem Lehrabschluss nicht in Beschäftigungsverhältnisse übernommen, als auch um Absolventen von schulischen Ausbildungsgängen (etwa in erzieherischen Berufen) oder um Hochschulabsolventen.

Die Wege zwischen Beschäftigungssystem und Arbeitslosigkeit waren allerdings auch im Juli keine Einbahnstraßen. So konnten immerhin rund 12.800 Personen die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Erwerbstätigkeit auch wieder beenden – fast 1.000 mehr als im Juli 2009. Die Nachfrage der Betriebe nach Arbeitskräften fiel auch im Juli 2010 sehr rege aus. Von den Betrieben wurden den Arbeitgeber-Teams der Agenturen rund 10.500 neue Stellenangebote gemeldet, 1.200 mehr als im Juni und 2.600 mehr als im Juli letzten Jahres. Ein großer Teil der neu gemeldeten Stellen wird aber erst nach Ende der Ferien- und Urlaubszeit zu besetzen sein. Mitte Juli waren in Rheinland-Pfalz insgesamt 19.600 betriebliche Stellen*) zu besetzen, 5.800 oder 42 Prozent mehr als vor einem Jahr. Deutlich mehr Stellenangebote als vor zwölf Monaten – damals hatte die Einstellungsbereitschaft einen Tiefpunkt erreicht – gab es in den Metall- und Elektroberufen (plus 1.100 auf knapp 3.000), in den Bauberufen (plus 600 auf 1.500) und in den Verkehrsberufen (plus 1.000 auf 1.900).

Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahren) erreicht regelmäßig im Jahresverlauf zwei Höhepunkte. Der eine liegt meist im Februar-März und der andere im Juli-August. Das hängt damit zusammen, dass in diesen Zeiträumen die Übergänge vom Ausbildungs- ins Beschäftigungssystem stattfinden, die oft nicht reibungslos verlaufen. Eine solche Entwicklung, die abweichend von der der Gesamtarbeitslosigkeit verläuft, war auch jetzt wieder zu beobachten. Von Juni auf Juli 2010 stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe unter 25 Jahren um fast 4.200 oder 31,6 Prozent auf 17.300 an.

Betroffen waren junge Frauen und junge Männer fast gleichermaßen. So stieg die Zahl der arbeitslosen Frauen unter 25 Jahren binnen vier Wochen um 2.100 auf 7.700 an – die der Männer unter 25 Jahren nahm um rund 2.000 auf 9.400 zu. Vor einem Jahr waren die Männer wegen der Beschäftigungskrise im Verarbeitenden Gewerbe sehr viel stärker betroffen. Trotz der kritischen Entwicklung blieb die Jugendarbeitslosigkeit aber unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt wurden rund 3.300 oder 15,8 Prozent weniger junge Arbeitslose gezählt als vor einem Jahr.

Der positive Einfluss der wirtschaftlichen Erholung auf den Arbeitsmarkt wird beim Vergleich der Arbeitslosenzahlen mit denen des Vorjahres deutlich. So ist die Zahl der Arbeitslosen seither um rund 10.400 oder 7,9 Prozent gesunken. Die deutlichsten Veränderungen zeigen dabei die Metall- und Elektroberufe an, in denen die Zahl der Arbeitslosen binnen eines Jahres um rund 3 500 oder 28,8 Prozent auf 8.600 gesunken ist. In den Bauberufen hat sich die Zahl der Arbeits-losen im gleichen Zeitraum um 1.200 oder 14,8 Prozent auf 7.100 verringert. Dagegen sind in den Ordnungs- und Sicherheitsberufen noch immer deutlich mehr Menschen arbeitslos als vor einem Jahr (plus 800 oder 15,5 Prozent auf 6.200).

Die niedrigsten regionalen Arbeitslosenquoten wurden auch im Juli 2010 für den Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 3,3 Prozent, die Kreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich mit jeweils 3,5 Prozent sowie für den Kreis Cochem-Zell und den Rhein-Pfalz-Kreis mit jeweils 3,7 Prozent errechnet. Am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen waren weiter die beiden pfälzischen Städte Kaiserslautern (10,8 Prozent) und Pirmasens (13,2 Prozent). Allerdings ist in Pirmasens die Arbeitslosenquote binnen eines Jahres um 2,1 Prozentpunkte gefallen, deutlicher als in jeder anderen Region des Landes.

Im dritten Monat in Folge lagen die Beschäftigtenzahlen nun höher als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dabei hat sich der Abstand spürbar vergrößert. Im Mai 2010 – das ist der aktuellste Datenstand – waren in Rheinland-Pfalz knapp 1,214 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 11.500 mehr als ein Jahr zuvor.

Für neue Jobs sorgten in diesem Zeitraum vor allem die Dienstleistungsbranchen. Den kräftigsten Zuwachs erzielte – nach erheblichen Einbußen im Zeitraum von Oktober 2008 bis Mai 2009 – dabei die Zeitarbeitsbranche (plus 6.900 auf 25.200). Langfristig auf Wachstumskurs waren das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 5.100 auf 166.300) sowie der Bereich Erziehung und Unterricht (plus 1.400 auf 46.200). Zu den Beschäftigungsgewinnern zählte aber auch wieder das Baugewerbe (plus 1.000 auf 78 500). Im Verarbeitenden Gewerbe waren im Mai 2010 noch immer deutlich weniger Arbeitnehmer tätig als vor einem Jahr (minus 6.000 auf 300 400).    



*) Umstellung der Statistik der gemeldeten Arbeitsstellen Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit berichtet monatlich über die Arbeitsstellen, die von Ar-beitgebern den Arbeitsagenturen und den Trägern der Grundsicherung zur Vermittlung gemeldet werden. Damit werden wichtige Informationen zum aktuellen Arbeitskräftebedarf bereitgestellt. Bislang werden dabei auch sogenannten geförderten Stellen erfasst und ausgewiesen. Im Mittepunkt der Berichterstattung standen gleichwohl stets die ungeförderten Stellen, die als Indikator der Arbeitsmarktentwicklung verwendet wurden.

Mit Berichtsmonat Juli 2010 stellt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit die Berichterstattung über die gemeldeten Arbeitsstellen um. Die statistische Berichterstattung soll vereinfacht und auf die Einstellungsbereitschaft der Betriebe und Verwaltungen ausgerichtet werden. Die Statistik der gemeldeten Arbeitsstellen wird deshalb nicht mehr die geförderten Stellen des sogenannten zweiten Arbeitsmarktes umfassen. Dies waren zuletzt Stellen für Beschäftigungsverhältnisse, die im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit oder einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gefördert wurden. Diese Stellen bilden vorrangig technisch-organisatorische Prozesse bei der Besetzung von geförderten Arbeitsplätzen ab und enthalten keine Informationen über die relevanten Ausgleichsprozesse am Arbeitsmarkt. Informationen über den Umfang geförderter Beschäftigungsverhältnisse am zweiten Arbeitsmarkt können weiterhin der Förderstatistik der Bundesagentur für Arbeit entnommen werden.

Durch die Umstellung in der Statistik liegt die neue Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen auf dem Niveau der bisherigen Zahl der ungeförderten Stellen, also niedriger als die frühere Gesamtzahl. Dies ist bei Vergleichen mit alten Zeitreihen zu berücksichtigen. Im Juni 2010 lag zum Beispiel der Bestand der gemeldeten Arbeitsstellen in Rheinland-Pfalz bei 18.040 statt bei 23.245 nach alter Definition der Gesamtzahl.

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