Ein Portrait des Verbandsgebietes von PfalzMetall:
Innovation aus der Pfalz
Die Pfalz ist Deutschlands zweitgrößtes Weinbaugebiet und wird wegen der Landschaft und des zum Teil sehr milden Klimas gerne als die „deutsche Toskana“ bezeichnet. Doch die Gegend bringt nicht nur gute Tropfen hervor. Anders als die italienische Landschaft gibt es in der Pfalz eine starke Metall- und Elektro-Industrie, die vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt ist.
Die Willi Resch KG merkte es, wie alle anderen Unternehmen der Schuhindustrie in Pirmasens auch: Die Geschäfte liefen nicht mehr so gut. Den zahlreichen Maschinenbauern für die Schuhfabrikation kamen die Kunden abhanden. Dabei war die Region Pirmasens oder „Bärmesens“, wie es im Pfälzer Dialekt ausgesprochen wird, seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der deutschen Schuhindustrie. Doch nun, Ende der sechziger Jahre, deutete sich eine Veränderung an – in absehbarer Zeit würden immer mehr Hersteller ihre Produktion ins Ausland verlagern, mit entsprechenden Auswirkungen auf die überwiegend mittelständisch geprägten Familienunternehmen rund um die Schuhherstellung. Firmenchef Hans Resch war klar, dass nur ein Kern wettbewerbsfähiger und innovativer Industrieunternehmen mit hoher Anpassungsfähigkeit übrig bleiben würde. Dazu wollte er mit seiner Firma gehören.
Im Jahr 1973 präsentierte Resch das erste Fahrradergometer für den medizinischen Bereich. Damit war der Grundstein für den Einstieg in die Fitnessbranche gelegt, die dem bis dato Schuhmaschinenbauer eine glänzende Zukunft bereitete. Aus der Willi Resch KG ging 1986 die Ergo-Fit GmbH & Co. KG hervor. Heute ist Ergo-Fit Deutschlands Marktführer bei Ergometern im Klinik- und Reha-Bereich und produziert wettbewerbsfähig am Standort Pirmasens. Von der Schuhmaschine zu Heimtrainern, Ruder- und Treppensteiggeräten: eine Pfälzer Erfolgsgeschichte der besonderen Art.
Die Metall- und Elektro-Unternehmen der Pfalz haben sich immer wieder mit erschwerten Bedingungen und Veränderungen auseinandersetzen müssen: Die Region zwischen dem Saarland im Westen, dem Rhein im Osten, Rheinhessen im Norden und dem Elsass im Süden ist bei den industriellen Bedingungen zweigeteilt. Durch ihre günstige Verkehrsanbindung an die übrigen Wirtschaftszentren in Deutschland und dem Ausland bietet die Rheinschiene die besseren Voraussetzungen. Vor allem hier haben sich denn auch die größten M+E-Unternehmen der Region Pfalz angesiedelt.
An erster Stelle ist das Mercedes-Benz Werk der Daimler AG in Wörth am Rhein zu nennen. Es ist das weltweit größte LKW-Werk und beschäftigt über 11.600 Mitarbeiter. Wenn man sich mit Hilfe von Google Earth dem Standort aus der Vogelperspektive nähert, wird einem allein schon durch die schiere Größe der Fabrik und dem für 80 Millionen Euro neu errichteten Testgelände die Bedeutung bewusst. Überhaupt hat die Automobilindustrie, zu dem das Opel-Komponentenwerk in Kaiserslautern sowie zahlreiche Zulieferer, wie beispielsweise der Weltmarktführer bei Sitzkomponenten, Keiper, gehören, eine hohe Bedeutung für die Region. Knapp jeder fünfte industrielle Arbeitsplatz in der Pfalz hängt am Auto.
Doch die M+E-Industrie in der Region hat noch viel mehr zu bieten. Ein weltweit bekanntes Aushängeschild ist KSB in Frankenthal. Der KSB-Konzern zählt mit einem Umsatz von annähernd zwei Milliarden Euro zu den führenden Anbietern von Pumpen und Armaturen. Weltweit produzieren mehr als 14.000 Mitarbeiter solche Produkte für Anwendungen in der Gebäudetechnik und der Industrie, in der Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie im Energiesektor und im Bergbau. KSB erstellt komplette hydraulische Systeme zum Transport von Wasser und Abwasser. Mit diesem Programm beteiligt sich KSB an der Lösung wichtiger Zukunftsaufgaben, wie der Bereitstellung von Energie und Trinkwasser für eine wachsende Weltbevölkerung und dem Umweltschutz. Dabei kommen auch komplette hydraulische Systeme, beispielsweise in der Meerwasserentsalzung, zum Einsatz.
Im Vergleich zur Rheinschiene hat sich die Westpfalz, bedingt durch die Grenzlage und die geographische Trennung von der Rheinebene, in wirt schaftlicher Hinsicht deutlich schwächer entwickelt. Lange Zeit erschwerte der Pfälzer Wald die Verkehrserschließung und verhinderte damit eine ähnlich prosperierende wirtschaftliche Entwicklung wie in der Rheinpfalz.
Die Westpfalz mit den Zentren Pirmasens und Zweibrücken ist von mittelständischen Unternehmen geprägt. Daneben ist der Standort Kaiserslautern als Oberzentrum der Region ein Standort mit Höhen und Tiefen: Zwar hat Kaiserslautern seit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte mit schweren Strukturproblemen zu kämpfen, auf der anderen Seite bietet die Stadt mit ihrer Hochschule und dem damit indirekt verbundenen Fraunhofer Institut eine hohe Anziehungskraft für innovative Unternehmen. So richtet der Landmaschinenhersteller John Deere, der in Zweibrücken eine Fertigung für Erntemaschinen betreibt, derzeit ein europäisches Technologie- und Innovationszentrum in Kaiserslautern ein.
Eine enge Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut pflegt die Heger Guss GmbH aus Enkenbach-Alsenborn, wenige Kilometer von der Pfalz-Metropole entfernt. Gerade hat das Unternehmen die modernste Gießerei der Welt gebaut, deren Produktionsabläufe die Prinzipien fast aller Gießereien weltweit auf den Kopf stellen. Zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik wurde zuvor eine Simulationssoftware entwickelt, die Turbulenzen beim Einströmen des flüssigen Eisens, Porositäten beim Schrumpfen während der Erstarrung und sogar Eigenspannungen dreidimensional sichtbar macht. Für Heger Guss war das „die eigentliche technologische Entwicklung der letzten 15 Jahre“.
Ebenfalls in Kaiserslautern ansässig ist mit der Gebrüder Pfeiffer AG ein innovativer, global tätiger Maschinenbauer für die Zement-, Kalk- Gips - und Keramikindustrie. Das Unternehmen verfügt über eine bald 150jährige Tradition. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, das Geschäft spürbar auszuweiten und eine Spitzenposition im internationalen Wettbewerb zu erreichen.
Eine hohe technische Kompetenz hat auch die psb intralogistics GmbH. Der Mittelständler aus Pirmasens entwickelt und baut mit 380 Mitarbeitern, davon 130 Ingenieure und Techniker, hochkomplexe Anlagen für die Intralogistik. Vereinfacht gesagt sorgt psb dafür, dass ein Produkt möglichst effektiv von A nach B gelangt. Intelligente Logistik-Systeme suchen sich bei dieser Aufgabe selbst ihren Weg. Zu den Kunden von psb gehören beispielsweise Automobilzulieferer, Unternehmen aus dem Bereich Health-Care, Modefirmen oder Fahrradhersteller.
Unter den zahlreichen M+E-Unternehmen in der Westpfalz ragt die Terex Demag GmbH in Zweibrücken besonders hervor. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der Hersteller von riesigen Gittermast- und Autokranen, dessen Wurzeln in Zweibrücken bis auf das Jahr 1827 zurückreichen, gehört heute zu den Weltmarktführern. Immer wieder setzten die Ingenieure in den letzten Jahren Maßstäbe bei Größe und Tragfähigkeit. Den letzten Rekord stellte der CC 8800 - 1 Twin auf. Dabei handelt es sich um den weltweit größten, mit Last fahrbaren Gittermast-Raupenkran mit einer Tragfähigkeit von 3.200 Tonnen – ein Gigant aus der Westpfalz.
All diese Unternehmen sind Mitglied im Verband der pfälzischen Metall- und Elektro-Industrie e.V. (PfalzMetall). Ihm gehören rund 100 Unternehmen der pfälzischen Metall- und Elektro-Industrie an, die mehr als 40.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Über 80 Prozent aller Beschäftigten der Branche in den Mitgliedsfirmen des Verbandes tätig. Der Verband legt auch besonderen Wert auf die Nachwuchsförderung. Mit der Stiftung PfalzMetall hat er sich ein wichtiges Instrument gegeben. Ziel der Stiftung ist es, die MINT-Begeisterung - das sind die Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - zu wecken und zu erhalten. Die gemeinnützige Stiftung wurde 2007 mit einem Kapital von zehn Millionen Euro gegründet. Sie ist damit eine der größten privaten Stiftungen in Rheinland-Pfalz.