Bruttoinlandsprodukt in Rheinland-Pfalz 2009 um 5 Prozent gesunken 

Die deutsche Wirtschaft erlebte im Jahr 2009 den stärksten wirtschaftlichen Einbruch der Nachkriegszeit. Auch in Rheinland-Pfalz sank das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt so kräftig wie noch nie. Es lag um 5 Prozent niedriger als im Jahr 2008. Damit entsprach der Rückgang dem Durchschnitt in Deutschland. In den alten Ländern ohne Berlin war der Einbruch mit durchschnittlich minus 5,4 Prozent stärker als in den neuen Ländern ohne Berlin mit minus 3,5 Prozent.

Die Folgen der internationalen Wirtschaftskrise waren insbesondere in den Ländern mit einem hohen Industrieanteil deutlich spürbar. In der ersten Jahreshälfte betrug der Rückgang in Rheinland-Pfalz sogar minus 7,1 Prozent (Deutschland: minus 6,8 Prozent).

In jeweiligen Preisen schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr um 3,8 Milliarden Euro oder 3,6 Prozent (Deutschland: minus 3,5 Prozent). Der Wert der in Rheinland-Pfalz erbrachten wirtschaftlichen Leistung betrug in jeweiligen Preisen 102,5 Milliarden Euro. Damit lag der Anteil des Landes am deutschen Bruttoinlandsprodukt bei 4,3 Prozent.

Verarbeitendes Gewerbe von Rezession am stärksten betroffen

In Rheinland-Pfalz trägt die Industrie einen im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittlich hohen Anteil zur Wertschöpfung bei (Anteil in Rheinland-Pfalz: 21,3 Prozent; in Deutschland: 19,4 Prozent). Die Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe sank 2009 preisbereinigt um 19 Prozent (Deutschland: minus 18,2 Prozent). In jeweiligen Preisen lag der Wert der erbrachten Leistungen um 4,9 Milliarden Euro unter dem des Vorjahres. »Durch die hohe Exportabhängigkeit der rheinland-pfälzischen Industrie hat der weltweite konjunkturelle Einbruch das verarbeitende Gewerbe besonders stark getroffen«, so der Präsident des Statistischen Landesamtes Jörg Berres. Der Auslandsumsatz sank 2009 mit minus 22,1 Prozent deutlich stärker als der Inlandsumsatz mit minus 17,2 Prozent. Drastische Rückgänge verzeichneten die umsatzstärksten exportorientierten rheinland-pfälzischen Industriezweige Herstellung von chemischen Erzeugnissen (minus 17,3 Prozent), Fahrzeugbau (minus 44,9 Prozent) und Maschinenbau (minus 22,5 Prozent). Im Verlauf des Jahres 2009 schwächte sich der dramatische Einbruch bei der Umsatzentwicklung jedoch ab bzw. kehrte sich sogar um: Im zweiten Halbjahr 2009 lagen sowohl der Inlands- als auch der Auslandsumsatz des verarbeitenden Gewerbes höher als im ersten Halbjahr (plus 3,9 bzw. plus 6 Prozent).

Deutlich günstiger und auch etwas besser als im Bundesdurchschnitt entwickelte sich im vergangenen Jahr dagegen das Baugewerbe. Preisbereinigt stieg die Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz um 1,4 Prozent (Deutschland: minus 1,1 Prozent). Zurückzuführen ist die vergleichsweise positive Entwicklung - gestützt nicht zuletzt auf die Impulse aus den Konjunkturprogrammen - auf kräftige Steigerungen des Gesamtumsatzes im Ausbaugewerbe (plus 6,5 Prozent; Deutschland: plus 3,7 Prozent). Dagegen verzeichnete das Bauhauptgewerbe einen Umsatzrückgang (minus 2,5 Prozent; Deutschland: minus 4,1 Prozent).

Nur leichte Einbußen im Dienstleistungssektor

Die preisbereinigte Wertschöpfung des gesamten Dienstleistungssektors, auf den rund 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung entfallen, ging in Rheinland-Pfalz mit minus 1 Prozent nicht so stark zurück wie im Bundesdurchschnitt (minus 1,7 Prozent). In den einzelnen Dienstleistungsbranchen verlief die Einwicklung unterschiedlich. Am stärksten traf es den Bereich »Handel, Gastgewerbe und Verkehr« mit einem Minus der preisbereinigten Wirtschaftsleistung von 3,2 Prozent (Deutschland: minus 5 Prozent). Die ungünstige Entwicklung beruht in erster Linie auf dem von der Wirtschaftskrise stark tangierten Bereich »Verkehr und Nachrichtenübermittlung«. Einen Rückgang hatte auch der Bereich »Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister« (minus 1,2 Prozent, Deutschland: minus 1,6 Prozent) zu verzeichnen. Dagegen erzielten die öffentlichen und privaten Dienstleister als einziger Teilbereich ein leichtes Wachstum (plus 0,7 Prozent; Deutschland: plus 1 Prozent).

Geleistete Arbeitsstunden stärker zurückgegangen als Erwerbstätigenzahl

Trotz des wirtschaftlichen Einbruchs sank die Zahl der Erwerbstätigen im vergangenen Jahr nur leicht. Die Wirtschaftsleistung in Rheinland-Pfalz erbrachten durchschnittlich 1,855 Millionen Erwerbstätigen, das waren 2.900 Personen oder 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr (Deutschland: minus 14.000 Erwerbstätige). In einigen Wirtschaftsbereichen führte die Wirtschaftskrise jedoch zu deutlichem Personalabbau. Kräftige Arbeitsplatzverluste verzeichneten das verarbeitende Gewerbe (minus 9.100 Erwerbstätige bzw. 2,5 Prozent) und die unternehmensnahen Dienstleistungen (minus 7.800 Erwerbstätige bzw. 3,1 Prozent). Zu dieser dennoch vergleichsweise moderaten Entwicklung am Arbeitsmarkt trug nicht nur die massive Ausdehnung der Kurzarbeit bei, sondern auch flexible Arbeitszeitmodelle halfen, Beschäftigungsverluste zu begrenzen. Daher ging die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden deutlich stärker zurück als die Zahl der beschäftigten Personen. Insgesamt wurden im Jahr 2009 in Rheinland-Pfalz gut 2,53 Milliarden Arbeitsstunden geleistet, das waren 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr (Deutschland: minus 2,8 Prozent). Im Durchschnitt leistete jeder Erwerbstätige 1.365 Stunden, 39 Stunden oder 2,8 Prozent weniger als 2008. Anders als bei der Personenzahl zeigt sich ein Rückgang der geleisteten Stunden in allen Wirtschaftsbereichen mit Ausnahme des Bereichs »Öffentliche und private Dienstleister«, am stärksten jedoch im verarbeitenden Gewerbe. Hier sank die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden insgesamt um 9,5 Prozent bzw. je Erwerbstätigen um 7,1 Prozent.

Arbeitsproduktivität deutlich gesunken

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, sank in Rheinland-Pfalz wie in Deutschland deutlich (minus 4,9 Prozent). In jeweiligen Preisen bewertet, erwirtschaftete ein in Rheinland-Pfalz arbeitender Erwerbstätiger im vergangenen Jahr im Durchschnitt 55.284 Euro (Deutschland: 59.784 Euro), das waren 1.983 Euro weniger als im Jahr 2008 (Deutschland: minus 2.179 Euro).

Wegen des starken Rückgangs des Arbeitsvolumens sank die Wirtschaftsleistung je geleisteter Arbeitsstunde der Erwerbstätigen nicht so stark wie in Relation zur Erwerbstätigenzahl. Je Erwerbstätigenstunde errechnet sich für Rheinland-Pfalz eine Wirtschaftsleistung von 40,50 Euro (Deutschland: 43 Euro). Preisbereinigt bedeutet dies in Rheinland-Pfalz wie in Deutschland einen Rückgang um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

 

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