M+E-Industrie will "zur Leistung (ver-)führen"
Kategorie: Rheinland-Pfalz
04.03.2010



Rund 300 Arbeitgeber der Mittelgruppe der Metall- und Elektroindustrie (M+E-Industrie) haben auf dem Arbeitswissenschaftlichen Forum über die modernen tarifpolitischen Instrumente von Leistungsbeurteilung bis Leistungsentgelt diskutiert. Dieser Erfahrungsaustausch ist schon gute Tradition der Unternehmer für die über 400.000 Beschäftigten der M+E-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

„Eine faire Leistungsbeurteilung wird auch von den Mitarbeitern nach anfänglichen Widerständen als Chance gesehen, dass ihre persönliche Leistung gerechter bewertet und die Leistungszulage angemessener zugeteilt wird“, waren sich die Geschäftsführer und Personalchefs einig. Mit der Leistungsbeurteilung, wie sie das EntgeltRahmenAbkommen (ERA) vorsieht, organisierten sie Führung noch erfolgreicher. In Summe sehen sie die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens gesteigert, auch wenn sich dies eher qualitativ in der Grundeinstellung als quantitativ im Zahlenwerk niederschlage.

„Wir haben einfach ein besseres Gefühl, seit wir 2006 mit einer systematischen Leistungsbeurteilung mehr Fairness bei der Leistungszulage in den Betrieb gebracht haben“, sagte Bernhard Cloos, Geschäftsführer Doering GmbH. Die Eisengießerei mit 150 Beschäftigten im hessischen Sinn produziert handgeformten Guss für formgebende Werkzeuge z. B. der Autoindustrie, für den Maschinenbau und den Bergbau. Natürlich habe es bei der Einführung Ängste und Widerstände gegeben, die es zu überwinden galt. Aber wenn man anhand des ERA-Beurteilungsbogens gezielt Effizienz und Qualität der Arbeit, Flexibilität und verantwortliches Handeln sowie Kooperation gemeinsam mit dem Mitarbeiter herausarbeite, dann habe man wenigstens eine gemeinsame Diskussionsgrundlage und einen Maßstab der neben der gerechteren Leistungszulage für den Mitarbeiter auch die Möglichkeit eröffnet, sich auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse weiterzuentwickeln.

„Über die Ergebnisse der ersten systematischen Leistungsbeurteilung zum Jahreswechsel haben nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Führungskräfte gestaunt. Aber in einem guten Sinne, brachte doch die Methodik ein umfassenderes Bild vom Leistungsprofil zu Tage“, sagte Uwe Szam, Personalleiter der ESAB CUTTING SYSTEMS GmbH. Das Unternehmen hat seinen Sitz im hessischen Karben und Standorte in China und USA. Es entwickelt und produzierte mit rd. 210 Mitarbeitern in Karben thermische Schneideanlagen für verschiedenste Blechformate. ESAB hat inzwischen eine Betriebsvereinbarung über eine auf das Unternehmen speziell zugeschnittene Leistungsbewertung, die Führungskräfte wurden intensiv auf eine gemeinsame Linie geschult. Man sehe jetzt den Feedback-Gesprächen auf diese erste Runde mit Spannung entgegen.

„Wir haben bei unseren Schweißtechnikern, die häufig für das Endprodukt zuständig sind, eine große Bandbreite an Zusatzqualifikationen festgestellt, deren Eingruppierung wir deshalb sehr zugeschnitten vornehmen mussten, um Leistung gerecht bewerten zu können“, sagte Dirk Demmer, Geschäftsführer der SGGT Maschinen- und Anlagenbau GmbH & Co. KG im saarländischen Ottweiler. Das Unternehmen bietet vielseitige Lösungen von der Entwicklung über die Konstruktion und Herstellung bis hin zur Montage und Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen. Es ist eingebettet in die Heintzmann Gruppe mit führenden Marktpositionen in den Bereichen Tunnel- und Bergbautechnik, Straßenausstattung und Sicherheitssysteme zum Objektschutz.

„Eine angemessene Leistungszulage ist eine echte "Win-Win-Situation" für Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen. Das Entgeltrahmenabkommen (ERA) rückt sie deshalb stärker in den Mittelpunkt der Tarifvergütung und stellt dafür moderne Instrumente der Personalpolitik“, betonte Dr. Helmut Rau, Geschäftsführer Tarifwesen von HESSENMETALL. Die Leistungsbeurteilung sei ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsprozesse. Die richtige betriebliche Umsetzung dieser modernen Tarifstrukturen führe zu positivem Leistungsverhalten und genaueren Leistungszulagen der Mitarbeiter, aber auch zu gesteigerter Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

„Der richtige Zuschnitt und die respektvolle Kommunikation sind die Schlüssel zum Erfolg. In der praktischen Umsetzung spielen die besonderen betrieblichen Merkmale eine wesentliche Rolle, passgenaue Ansätze zu finden. Auf die jeweilige Arbeitssituation bezogene Beurteilungskriterien sind die Voraussetzung für gerechte Differenzierung der individuellen Leistung. Deren Kommunikation wird dann nachvollziehbar, wenn sie zuerst das Geleistete respektiert und dann  noch eine Perspektive gibt, den Abstand zum Ziel zu verringern“, erläuterte Nikolaus Schade, Leiter Arbeitswissenschaft HESSENMETALL und verwies auf die präzisen Beratungsangebote der vier Arbeitgeberverbände. 

 









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