Kurzarbeit rettet 12.600 Jobs
Kategorie: Rheinland-Pfalz
01.06.2010


Kurzarbeit statt Arbeitslosigkeit - diese Rechnung ging in Rheinland-Pfalz mindestens 12.600-mal auf. (Foto: Otelo/ pixelio.de)
Kurzarbeit statt Arbeitslosigkeit - diese Rechnung ging in Rheinland-Pfalz mindestens 12.600-mal auf. (Foto: Otelo/ pixelio.de)

Ein wichtiger Grund dafür, dass sich die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt bisher in sehr engen Grenzen hielten, ist in der Kurzarbeit zu sehen. Viele Betriebe konnten die Auftragslücke, die sich sehr abrupt in der zweiten Jahreshälfte 2008 auftat und die sich nun offensichtlich in vielen Bereichen ihrem Ende zuneigt, mit Hilfe von Kurzarbeit überbrücken ohne massiv Stellen streichen zu müssen.

Den Höhepunkt hatte die Kurzarbeit in Rheinland-Pfalz im Mai 2009 mit mehr als 63.300 betroffenen Arbeitnehmern erreicht. Auch wenn die wirtschaftliche Erholung in der Folgezeit Unternehmen nach und nach die Beendigung von Kurzarbeit ermöglichte, ganz ohne Bedeutung ist sie für den regionalen Arbeitsmarkt auch jetzt noch nicht.  

Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im März 2010 – das ist der aktuellste Datenstand – in Rheinland-Pfalz noch immer rund 3.000 Betriebe mit 38.000 Beschäftigten auf Kurzarbeit ausgewichen. Vor allem Automobilhersteller und ihre Zulieferer (8.700 Kurzarbeiter), Maschinenbaufirmen (5.400), metallerzeugende und –verarbeitende Unternehmen (6.700), Handelshäuser (1.500) sowie kunststoffverarbeitende Betriebe (1.400) mussten weiter Arbeitsausfälle kompensieren. Die Bandbreite der Branchen war allerdings sehr viel größer und reichte von Nahrungsmittelherstellern und Druckereien über Logistikunternehmen, IT-Firmen und Wirtschaftsberatungsunternehmen bis hin Zeitarbeitsfirmen und Ingenieurbüros.  

Nach Einschätzung der Leiterin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, wird die Kurzarbeit ihrer Brückenfunktion in hohem Maße gerecht. „Eine Befragung von 240 Betrieben, deren Bewilligungszeitraum für das Kurzarbeitergeld im Mai endete, hat ergeben, dass 100 Betriebe aufgrund besserer Auftragslage die Kurzarbeit beenden und zur üblichen Arbeitszeit zurückkehren konnten. Sie stellen damit diesem arbeitsmarktpolitischen Instrument ein sehr gutes Zeugnis aus. Die übrigen Betriebe setzten weiter auf Kurzarbeit oder hatten zum Zeitpunkt der Befragung ihre Planungen noch nicht abgeschlossen“, sagte Heidrun Schulz.  

In der Frühphase des wirtschaftlichen Abschwungs hatten als erste große und mittlere Unternehmen mit dem ihnen aus früheren Abschwungphasen bekannten Instrument Kurzarbeit ihre Beschäftigung stabilisiert. Später haben sich die Schwergewichte mehr hin zu kleineren Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten verschoben. Im März 2010 waren rund 14.800 oder 39 Prozent der Kurzarbeiter in solchen Kleinbetrieben tätig. In mittleren Unternehmen – zwischen 100 und 500 Beschäftigten – waren jetzt noch 9.300 oder 24 Prozent der Kurzarbeiter tätig. Knapp 37 Prozent der Kurzarbeiter entfielen auf  Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten.  

Von Kurzarbeit betroffen waren – wegen der Branchenstruktur – vor allem Männer – insgesamt 31.600. Da der Dienstleistungssektor nur in unterdurchschnittlichem Umfang auf Kurzarbeit ausweichen musste, waren auch vergleichsweise wenige Frauen – knapp 6.400 – betroffen. Der Arbeitsausfall, der durch Kurzarbeit aufgefangen wurde, lag zwischen zehn und 100 Prozent der betriebsüblichen Arbeitszeit. Im Durchschnitt aller Betriebe fiel in Rheinland-Pfalz zuletzt rund ein Drittel der Arbeitszeit aus. Rechnerisch ergibt sich daraus, dass ohne Kurzarbeit die Zahl der Arbeitslosen im März 2010 im Lande vermutlich um rund 12.600 höher gelegen hätte.  

Die Kurzarbeit entlastete nicht nur den regionalen Arbeitsmarkt, sondern auch lokale Arbeitsmärkte in teilweise beachtlichem Umfang. Im März 2010 spielte Kurzarbeit – misst man die Zahl der Kurzarbeiter an den Beschäftigten in einer Region – vor allem in den Landkreisen Germersheim – 14,2 Prozent aller Beschäftigten arbeiteten hier kurz (Kurzarbeiterquote), Altenkirchen (6,9 Prozent) und Rhein-Hunsrück-Kreis (5,9 Prozent) sowie in den Städten Frankenthal (9,1 Prozent), Kaiserslautern (7,4 Prozent) und Zweibrücken (5,3 Prozent) eine besonders gewichtige Rolle.  

Das arbeitsmarktpolitische Instrument Kurzarbeit, ursprünglich nur zur Lösung konjunkturell bedingter Arbeitsausfälle konzipiert, hat im Laufe der letzten Jahre Weiterungen erfahren. So soll das Saison-Kurzarbeitergeld witterungsbedingte Arbeitsausfälle im Baugewerbe in den Wintermonaten ausgleichen und das Transfer Kurzarbeitergeld ist dazu gedacht, bei unvermeidlichen Betriebsschließungen eine möglichst nahtlose Überleitung der betroffenen Arbeitnehmer in neue Beschäftigungsverhältnisse zu ermöglichen. Die beiden letztgenannten Varianten spielten im März eine eher untergeordnete Rolle. Knapp 3.700 Arbeitnehmer entfielen auf das Saison-Kurzarbeitergeld und für nur 1 100 Arbeitnehmer wurde Transfer-Kurzarbeitergeld gezahlt. Rund 33.300 Arbeitnehmer mussten aus wirtschaftlichen/ konjunkturellen Gründen kurzarbeiten.  

Für die Kurzarbeit – konjunkturelles Kurzarbeitergeld, Saison-Kurzarbeitergeld und Transfer-Kurzarbeitergeld zusammen – brachten die rheinland-pfälzischen Agenturen für Arbeit Im Jahr 2009 rund 186,6 Millionen Euro auf. Ein Jahr zuvor waren es „nur“ 21,2 Millionen Euro. Auch im ersten Quartal des Jahres 2010 investierten sie mithilfe dieses  arbeitsmarktpolitischen Instruments gut 64,9 Millionen Euro in die Beschäftigungssicherung (nach 31,9 Millionen Euro im ersten Quartal 2009). Aufgrund der besseren wirtschaftlichen Entwicklung ist eine tendenzielle Verringerung der Kurzarbeit im Jahr 2010 und damit eine gewisse Ausgabenentlastung zu erwarten.

 









« zurück

Die Zukunft des Elektroautos

Unsere Mitgliedsverbände
Loading problems.

Mitgliederservice



Pressemitteilungen
LVU-Präsident Braun zum Defizit in 2011
[mehr]
LVU-Präsident Dr. Braun: „Die Politik sollte die Quelle weiter sprudeln lassen.“
[mehr]
LVU-Präsident Dr. Braun: "Rente mit 67 ist unverzichtbar"
[mehr]
Dick und Simon: Mindestlöhne vernichten Jobs
[mehr]
Wassercent: Sorge um Wirtschaftsstandort
[mehr]
RSS Feeds von Xing
XING
Die neuesten Forenbeiträge in XING-Gruppe "Wirtschaft in...

Die Entwicklung der Auftragslage in der Elektroindustrie wird nach ZVEI-Angaben derzeit vor allem durch Bestellungen aus dem Inland getragen. Insgesamt blieben die Auftragseingänge im Dezember...
Rheinland-Pfalz hat im vergangenen Jahr zwei Milliarden Euro neue Schulden gemacht. Das ist deutschlandweit der höchste Wert nach Nordrhein-Westfalen mit 2,9 und Niedersachsen mit 2,5...
Der Internet-Versandhändler Amzon baut ein 110.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum in Koblenz. Die Millionen-Investition schafft bis zu 1000 feste und bis zu 1000 saisonale Stellen. Mehr...
Volltextsuche