Wirtschaft braucht Normen
Kategorie: LVU
25.06.2010


Dietmar Giebelmann (Generalvikar Mainz), Dr. Gerhard F. Braun (LVU-Präsident), Matthias Moelle (LVU-Vorstand und Gastgeber), Karl Kardinal Lehmann (Bischof Mainz) und Dr. Herbert Stein (LVU-Vizepräsident) - v.l.n.r. (Foto: Speker)
Dietmar Giebelmann (Generalvikar Mainz), Dr. Gerhard F. Braun (LVU-Präsident), Matthias Moelle (LVU-Vorstand und Gastgeber), Karl Kardinal Lehmann (Bischof Mainz) und Dr. Herbert Stein (LVU-Vizepräsident) - v.l.n.r. (Foto: Speker)

Beim Gespräch des Vorstands der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU) mit den Katholischen Bischöfen in Rheinland-Pfalz waren sich beide Seiten in der Bewertung der zurückliegenden Wirtschaftskrise weitgehend einig: Es sei begrüßenswert, dass trotz des schwersten Konjunktureinbruchs seit 1929 die Zahl der Beschäftigten weitestgehend gehalten werden konnte.

Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, sagte mit Blick auf den Ausgang der Krise, der im überzogenen Gewinnstreben der Finanzmärkte liegt: „Die Wirtschaft sieht selbst, dass sie Normen für ihr Handeln entwickeln muss.“ LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun ergänzte, dass dies in vielen mittelständischen Unternehmen unter der Überschrift „Corporate Social Responsibility“ bereits umgesetzt werde: „Die allermeisten Unternehmen verhalten sich ethisch korrekt.“

Auch die Kirche sei, wie viele Unternehmen in den vergangenen Monaten und zum Teil jetzt noch, im Moment in einer Konsolidierungsphase. Das gelte einerseits finanzpolitisch aufgrund wegfallender Kirchensteuereinnahmen, aber andererseits auch inhaltlich. Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, sagte zur finanziellen Frage: „Seelsorge ist eine sehr personalintensive Tätigkeit. Wir stoßen hier an Grenzen und müssen uns neu aufstellen.“ Domkapitalur Dr. Franz Jung, Generalvikar im Bistum Speyer, ergänzte: „Die Frage, die wir inhaltlich beantworten müssen, würde in einem Unternehmen lauten: Wie können wir unser Produkt neu am Markt positionieren? Und konkret für uns: Was heißt Religion heute? Was heißt Christentum heute?“

Dr. Braun verwies in der Frage des Mindestlohns darauf, dass man nicht mit jeder einfachen Tätigkeit eine mehrköpfige Familie ernähren könne. Wenn dies der Anspruch eines Mindestlohnes sei, dann würde er zwangsläufig geringqualifizierte Arbeitsplätze vernichten, denn die Bezahlung eines Menschen könne sich nur daran orientieren, was dessen Arbeitskraft für das Unternehmen erwirtschafte und nicht, wie viele Kinder er zuhause habe.

Hier erwiderte Domkapitular Dr. Georg Holkenbrink, Generalvikar im Bistum Trier, dass es um die Anerkennung von Arbeit über den Lohnzettel gehe. Er plädierte dafür, auch gesamtgesellschaftliche Leistungen der Familien, zu denen er auch die Erziehungsleistung zähle, entsprechend gesamtgesellschaftlich zu entlohnen. Es sei nachvollziehbar, dass diese Entlohnung nicht durch die Unternehmer geleistet werden könne, sondern etwa durch Steuern.

Das Treffen fand statt in den Räumen der Mainzer Eisengießerei Römheld & Moelle. Im Anschluss an das Gespräch führte Matthias Moelle die Katholischen Bischöfe und den LVU-Vorstand durch sein Unternehmen. Die Teilnehmer der Runde hatten dabei die Gelegenheit, einen Gießvorgang mitzuerleben.

 


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