Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Überraschungen
Kategorie: LVU
11.08.2010


LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon (Foto: Linzmeier-Mehn)
LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon (Foto: Linzmeier-Mehn)

Rheinland-Pfalz ist Autoland. Jeder fünfte industrielle Arbeitsplatz hängt am Auto – und das, obwohl die chemische Industrie mit BASF, Boehringer Ingelheim und vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen hier sehr stark ist. Aber Opel in Kaiserslautern und das größte LKW-Werk der Welt von Daimler in Wörth haben um sich herum eine mittelständische Zulieferstruktur geschaffen, die prägend ist für Rheinland-Pfalz.  

Aus den hier gefertigten Zulieferteilen könnte man schon fast ein komplettes Auto zusammenbauen. So werden beispielsweise Karosseriepressteile, Feinbleche für die Karosserien, Bremsen, Bremskraftverstärker, Antiblockiersysteme, Stoßdämpfer, Turbolader, hydraulische Komponenten, Kabelbäume, Kurbelwellen und Autoreifen gebaut. Auch automobilgeschichtlich geht viel auf Rheinland-Pfalz zurück: So stammt Nicolaus August Otto, der Erfinder des nach ihm benannten Motors, aus Holzhausen an der Haide. Und auch der Gründer und Namensgeber der Automobilbauunternehmen Horch und Audi, August Horch, kommt aus der Region. Er entstammt einer alten Winzer- und Schmiedefamilie und wurde 1868 in Winningen an der Mosel geboren.  

In der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz spielen kleine und mittelständische Unternehmen eine ganz besondere Rolle. Im Durchschnitt kommen auf ein rheinland-pfälzisches Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe gerade einmal 125 Mitarbeiter – viele von diesen Unternehmen sind höchst-innovativ, zum Teil sogar Weltmarktführer in ihren Bereichen. Bemerkenswert ist übrigens auch die Exportquote der Industrie im Lande: 46 % - mehr Anteile seiner Produktion exportiert kein Bundesland. Dabei kommt Rheinland-Pfalz natürlich auch seine strategisch günstige Lage zu Gute: Die Ballungszentren der Kölner Bucht, des Rhein-Main-Gebietes und der Großregion Rhein-Neckar vor der Tür bedeuten eine optimale verkehrliche Anbindung. Außerdem grenzen Belgien, Frankreich und Luxemburg direkt an.  

Strukturell hat sich viel getan in Rheinland-Pfalz. Vor wenigen Wochen erst wurde die 20-jährige „Erfolgsgeschichte Konversion“ gefeiert. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden viele Militärbasen aufgegeben – mehr als 26.000 zivile Stellen waren durch Schließung von Kasernen, Krankenhäusern und Wohnquartieren weggefallen. Heute gibt es viele erfolgreiche Beispiele für Konversionsprojekte – das Bekannteste dürfte der Flughafen Hahn sein: Der frühere Militärflughafen ist heute der elftgrößte Passagierflughafen Deutschlands.  

Im Bereich um Pirmasens fand der dortige Strukturwandel jedoch jenseits politischer Auffangmaßnahmen statt: Nachdem die Schuhindustrie hier über viele Jahrzehnte die Menschen in Lohn und Brot gebracht hatte, wendete sich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Blatt. Immer mehr Hersteller verlagerten ihre Produktion ins Ausland, mit entsprechenden Auswirkungen auf die überwiegend mittelständisch geprägten Familienunternehmen rund um die Schuhherstellung. Viele Unternehmen blieben dabei auf der Strecke, manche passten sich an und konnten die Zukunft sichern, wie beispielsweise die Willi Resch KG. Im Jahr 1973 präsentierte Resch das erste Fahrradergometer für den medizinischen Bereich. Damit war der Grundstein für den Einstieg in die Fitnessbranche gelegt: Aus der Willi Resch KG ging 1986 die Ergo-Fit GmbH & Co. KG hervor. Heute ist Ergo-Fit Deutschlands Marktführer bei Ergometern im Klinik- und Reha-Bereich und produziert wettbewerbsfähig am Standort Pirmasens.  

Man sieht: Rheinland-Pfalz ist immer für Überraschungen gut. Oder hätten Sie gewusst, dass in dem einzigen Bundesland, dessen Wirtschaftsminister ausdrücklich auch Weinbauminister heißt und das sechs Weinanbaugebiete in sich vereinigt, die Anbaufläche für Braugerste größer ist, als die für Wein? Es mag ein wenig logischer klingen, wenn man darauf hinweist, dass diese großen Braugerstenflächen in der Gegend von Bitburg liegen…

Quelle: Namensartikel von LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon für den WirtschaftsKurier.

 


Links:

www.wirtschaftskurier.de





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