Betriebe müssen bis zu 7x mehr Energiesteuer zahlen
Kategorie: Deutschland
01.09.2010


Die Beispielrechnung zeigt: Bei einer Gießerei mit einem kleinen Walzwerk kann die Steigerung bei der Energiesteuer bis zu 740 Prozent betragen. (Foto: Speker)
Die Beispielrechnung zeigt: Bei einer Gießerei mit einem kleinen Walzwerk kann die Steigerung bei der Energiesteuer bis zu 740 Prozent betragen. (Foto: Speker)

Der BDI lehnt den heutigen Kabinettsbeschluss zu höheren Steuern für die Industrie ab. „Höhere Lasten für die nach der Wirtschaftskrise erstarkende Industrie gefährden Wachstum und Arbeitsplätze“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Das Bundeskabinett beschloss unter anderem Erhöhungen der Energie- und Stromsteuern sowie eine neue Luftverkehrsteuer.

„Die teilweise dramatischen Steuererhöhungen, die bis zu einer Versiebenfachung reichen, sind für viele Betriebe und damit ganze Wertschöpfungsketten existenzbedrohend“, begründete Schnappauf die Haltung der Industrie. Insgesamt beschäftigen die Unternehmen der energieintensiven Branchen rund 900.000 Arbeitnehmer (Beispielrechnungen siehe unten „So viel kostet die Ökosteuer die Unternehmen“).

Die deutschen Energiepreise zählen bereits heute mit zu den höchsten in Europa. Zusätzlich steigen die Preise drastisch insbesondere aufgrund des Zubaus von Photovoltaik, weil Mehrkosten für erneuerbare Energien auf die Strompreise der Verbraucher umgelegt werden. „Die immer höheren Energie- und Stromkosten sind eine Gefahr für das Industrieland Deutschland und ein Risiko für Jobs in der Industrie“, warnte Schnappauf.

Dabei hält die Industrie ihre Verpflichtung aus der Klimaschutzvereinbarung zwischen Bundesregierung und Wirtschaft ein, wie der am Montag erschienene RWI-Monitoring-Bericht 2009 beweist. Demnach hat die Industrie den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich reduziert. Schnappauf: „Auch die Politik muss sich an die Vereinbarung halten. Sie muss ihren Teil einlösen und die geltenden Entlastungsregelungen bei der Ökosteuer beibehalten.“

Auch die neue Luftverkehrsteuer sei eine zusätzliche Belastung. „Sie verteuert den Wirtschaftsstandort Deutschland und schwächt die Wettbewerbsposition der deutschen Luftverkehrsbranche. Dabei war die Koalition angetreten, den Luftverkehrstandort Deutschland zu stärken. Gerade durch den nationalen Alleingang drohen massive Wettbewerbsverzerrungen – international wie national“, warnte Schnappauf.

So viel kostet die Ökosteuer die Unternehmen

Metallindustrie (Nichteisen-Metalle)
Gießerei mit kleinem Walzwerk (100 Mitarbeiter):
Gesamtbelastung durch Strom- und Energiesteuer:
2010: 6.470 Euro; 2011: 54.370 Euro; 2012: 54.370 Euro
Steuermehrbelastung 2010 bis 2012: 740 Prozent

Großes Walzwerk (2 100 Mitarbeiter):
Gesamtbelastung durch Strom- und Energiesteuer:
2010: 878.000 Euro; 2011: 2.720.000 Euro; 2012: 2.720.000 Euro Steuermehrbelastung 2010 bis 2012: 210 Prozent

Papierindustrie
Unternehmen 1 (100 Mitarbeiter):
45 000 Tonnen Produktion, 25 000 Megawattstunden Strom,
62 000 Megawattstunden Erdgas
Gesamtbelastung durch Strom- und Energiesteuer:
2010: 150.000 Euro; 2011: 286.200 Euro; 2012: 286.200 Euro Steuermehrbelastung 2010 bis 2012: 90 Prozent

Unternehmen 2 (500 Mitarbeiter):
381 000 Tonnen Produktion, 516 000 Megawattstunden Strom,
43 000 Megawattstunden Erdgas (zusätzlich 515 000 Megawattstunden Erdgaseinsatz in Kraftwärmekopplungsanlage)
Gesamtbelastung durch Strom- und Energiesteuer:
2010: 516.000 Euro; 2011: 2.489.000 Euro; 2012: 2.489.000 Euro Steuermehrbelastung 2010 bis 2012: 382 Prozent

Gesamtbelastung deutsche Zellstoff- und Papierindustrie: Die Gesamtbelastung durch die Energie- und Stromsteuer beträgt gegenwärtig 28,1 Millionen Euro. Bei einer Umsetzung der genannten Maßnahmen würde die Steuerbelastung 2011 und 2012 steigen auf jeweils 75 Millionen Euro betragen. Das wäre das 2,7-Fache der aktuellen Belastung.

 


Links:

www.bdi.eu








« zurück

Die Zukunft des Elektroautos

Unsere Mitgliedsverbände
Loading problems.

Mitgliederservice



Pressemitteilungen
LVU-Vorstand trifft Leitung der Evangelischen Kirchen
[mehr]
LVU-Präsident Braun zum Defizit in 2011
[mehr]
LVU-Präsident Dr. Braun: „Die Politik sollte die Quelle weiter sprudeln lassen.“
[mehr]
LVU-Präsident Dr. Braun: "Rente mit 67 ist unverzichtbar"
[mehr]
Dick und Simon: Mindestlöhne vernichten Jobs
[mehr]
RSS Feeds von Xing
XING
Die neuesten Forenbeiträge in XING-Gruppe "Wirtschaft in...

Die Entwicklung der Auftragslage in der Elektroindustrie wird nach ZVEI-Angaben derzeit vor allem durch Bestellungen aus dem Inland getragen. Insgesamt blieben die Auftragseingänge im Dezember...
Rheinland-Pfalz hat im vergangenen Jahr zwei Milliarden Euro neue Schulden gemacht. Das ist deutschlandweit der höchste Wert nach Nordrhein-Westfalen mit 2,9 und Niedersachsen mit 2,5...
Der Internet-Versandhändler Amzon baut ein 110.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum in Koblenz. Die Millionen-Investition schafft bis zu 1000 feste und bis zu 1000 saisonale Stellen. Mehr...
Volltextsuche