EVM investiert in Bio-Erdgasanlage
Kategorie: Rheinland-Pfalz
06.09.2011


Spatenstich für klimaschonende Bio-Erdgasanlage. (v.r.) Josef Rönz (Geschäftsführer der EVM), Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig (EVM-Aufsichtsratvorsitzender und Oberbürgermeister der Stadt Koblenz), Bertram Fleck (Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises), Dr. Walter Bersch (Bürgermeister der Stadt Boppard), Günter Gras (Bürgermeister Kratzenburg), Karl-Heinz Pasch (Vorstandsvorsitzender der EnD-I AG).
Spatenstich für klimaschonende Bio-Erdgasanlage. (v.r.) Josef Rönz (Geschäftsführer der EVM), Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig (EVM-Aufsichtsratvorsitzender und Oberbürgermeister der Stadt Koblenz), Bertram Fleck (Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises), Dr. Walter Bersch (Bürgermeister der Stadt Boppard), Günter Gras (Bürgermeister Kratzenburg), Karl-Heinz Pasch (Vorstandsvorsitzender der EnD-I AG).

Im Gewerbepark Hellerwald, direkt an der Autobahn 61 bei Boppard, investiert die Bioenergieerzeugung Koblenz GmbH (BEE) 17 Millionen Euro in die Energiewende: Hier entsteht eine Bio-Erdgasanlage, deren Kapazität ausreicht, um 7.000 Haushalte klimaschonend mit Strom und 2.000 Haushalte mit Wärme zu versorgen. Die BEE ist eine Tochtergesellschaft der Energieversorgung Mittelrhein GmbH (EVM), die 74,9 Prozent der Anteile trägt, und der EnD-I AG, einem Spezialisten für Biogasanlagen, der mit 25,1 Prozent beteiligt ist.

Mit einem symbolischen Spatenstich feierten am Dienstag (6.9.) EVM und BEE mit Vertretern des Landkreises und der Kommunen den Baubeginn. Die Fertigstellung der Anlage ist für Herbst 2012 geplant. Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Bertram Fleck, lobte das Projekt als wegweisend: „Es zeigt, wie die Energieversorgung der Zukunft ohne Atomkraftwerke aussehen kann und es stärkt die Region nachhaltig, da es auch Landwirten neue Perspektiven bietet.“ Auch der Aufsichtsratvorsitzende der EVM und Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, unterstrich die Bedeutung des Projektes: „Es dokumentiert deutlich die strategische Ausrichtung der EVM, die als größter regionaler Energieversorger im nördlichen Rheinland-Pfalz die Energiewende in der Region aktiv voran treibt.“ Mit dieser Anlage setzt sie sich für eine ebenso nachhaltige wie regionale Energieversorgung ein: Der nachwachsende Rohstoff stammt von 13 Landwirten aus dem Hunsrück und dem Maifeld. Eingesetzt werden Gras, spezielle Getreidepflanzen und Mais.

Für die EnD-I AG, die an mehreren Standorten in Deutschland bereits Biogasanlagen betreibt, ist das gemeinsame Projekt eine spannende Aufgabe. „Pro Jahr wird die Anlage aus rund 50.000 Tonnen Pflanzensilage zirka zehn Millionen Kubikmeter Biogas erzeugen, das anschließend auf Erdgasqualität veredelt wird“, erläuterte Karl-Heinz Pasch, Vorstandsvorsitzender der EnD-I AG. Daraus lassen sich in hocheffizienten Blockheizkraftwerken insgesamt 60 Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme produzieren. Bei der Verbrennung des Bio-Erdgases zur Strom- und Wärmeerzeugung wird lediglich das Kohlendioxid wieder freigesetzt, das die Pflanzen während ihres Wachstums der Atmosphäre entzogen haben. Deshalb wird Bio-Erdgas als klimaneutral bezeichnet.

Für mehr Klimaschutz und Energieeffizienz
„Im Gewerbepark Hellerwald entsteht unsere erste Bio-Erdgasanlage“, sagte Josef Rönz, kaufmännischer Geschäftsführer der EVM. „Sie ist für uns ein strategisch wichtiges Projekt, weil sie unsere konsequente Umweltorientierung auch in der Energieerzeugung zeigt. Wir treiben die Energiewende aktiv auf allen Ebenen voran – als Partner und Förderer regionaler Wertschöpfungsketten.“ Die EVM setzt sich seit Jahren auf vielfältige Weise für eine höhere Energieeffizienz und mehr Klimaschutz ein – durch Beratung, Produkte und Förderprogramme ebenso wie durch eine Erhöhung der Eigenerzeugung von Erdgas und Strom aus regenerativen Quellen. Sie betreibt beispielsweise etliche Blockheizkraftwerke zur Nahwärmeerzeugung und wird sich über die Thüga Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG (THEE) an Windkraftanlagen beteiligen. Zudem setzt die EVM auch im Energieeinkauf konsequent auf Klimaschutz. Sie beschafft seit diesem Jahr für alle Stromkunden ausschließlich Ökostrom. Bio-Erdgas bietet der Regionalversorger bereits seit 2009 an. „Durch unsere bisherigen Aktivitäten für den Klimaschutz werden insgesamt bereits 68.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden“, betonte Josef Rönz. „Ich bin dem Landkreis, den Kommunen, Landwirten und ihren Verbänden sehr dankbar. Sie alle haben den Boden bereitet für dieses Zukunftsprojekt hier in Hellerwald, es ist ein weiterer Meilenstein für die Energiewende.“

Intensive Einbeziehung der Bürger
Die Bio-Erdgasanlage auf dem drei Hektar großen Gelände besteht aus einer Substratannahme, vier Fermentern, drei Gasspeichern mit Gärrestelager, einer Gasaufbereitungsanlage und einem Betriebsgebäude. Die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz liegt vor. Sie stellt sicher, dass weder Menschen, noch Flora und Fauna in der Umgebung durch die Anlage beeinträchtigt werden. Zu den strengen Umweltschutzauflagen zählen auch Faktoren wie Lärm und Geruch. „Wir suchten schon sehr früh den Dialog mit den Nachbarn des Industrieparks und informierten die Bürgerinnen und Bürger der benachbarten Kommunen“, berichtete Josef Rönz, „es war uns wichtig, Anregungen wie Bedenken in unsere Projektierung mit einzubeziehen und zu berücksichtigen.“ Ein Ergebnis dieser Gespräche ist beispielsweise, dass die BEE das Rohmaterial immer nur für den Tagesbedarf anliefern lässt und auf Vorratshaltung verzichtet. „Just-in-time“ sagen Fachleute dazu. „Pro Tag kommen nach Inbetriebnahme etwa fünf Lastkraftwagen Material, das sofort der Biogas-Produktion zugeführt wird“, erläuterte Karl-Heinz Pasch den Prozess. „Damit ist sichergestellt, dass sich kein Geruch entwickeln kann“, sagte er weiter. Die Lastkraftwagen haben eine direkte Anbindung an die A61. Sie müssen nicht durch eine Ortschaft fahren.

Stärkung der Region

Bio-Erdgas kann im Gegensatz zu Sonnen- und Windenergie jederzeit produziert werden, unabhängig von der Witterung. Schon deshalb ist es eine wesentliche Säule zum Ausbau erneuerbarer Energien. „Bio-Erdgas entwickelt und stärkt regionale Wertschöpfungsketten“, meinte der EVM-Geschäftsführer dazu, „das stärkt nicht nur die Wirtschaftskraft, sondern macht Regionen auch unabhängiger von Energieimporten. Das führt langfristig zu einer höheren Versorgungssicherheit.“ Durch ihre Investitionen sichert die EVM rund 400 Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen und weitere 800 indirekt im Handel, Gewerbe und der Verwaltung. Die EVM zählt unter den Regionalversorgern zu den innovativen Unternehmen mit starkem Heimatbezug.

Die EVM ist als umweltfreundlicher Dienstleister ausgezeichnet und zertifiziert. Sie bietet ihren 165.000 Kunden einen umfassenden und persönlichen Service. Insgesamt versorgt sie mit ihrer Unternehmenstochter Gasversorgung Westerwald GmbH (GVW) 253 Kommunen mit Erdgas. Zudem ist die EVM Stromgrundversorger in der Stadt Cochem und beliefert darüber hinaus Teile der Region mit Strom. Ihr obliegt auch die Betriebsführung mehrerer Wasser- und Abwasserwerke.









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