 |   LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bei ihrem gemeinsamen Rundgang über die IAA 2011 in Frankfurt/ Main am Stand der BASF. (Foto: Speker)
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„Die Internationale Automobilausstellung ist eine großartige Automesse in einer großartigen Autokonjunktur“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Werner Simon, anlässlich eines gemeinsamen Besuchs der IAA mit der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.
Simon wies auf die besondere qualitative Güte der deutschen Automobilprodukte hin. Trotzdem sei es natürlich notwendig, weiterhin zu wettbewerbsfähigen Konditionen in Deutschland produzieren zu können – schließlich müsse der Preis in letzter Konsequenz auch immer in Relation zum Produkt stehen. Die Wettbewerbsfähigkeit sei gerade im „Autoland Rheinland-Pfalz“ von besonderer Bedeutung. Hier hängen die Jobs von 40.000 Menschen davon ab, wie es der Branche gehe. Darum seien die Erfahrungen der Krise für viele Zulieferer sehr intensiv gewesen.
Diese Einschätzung bestätigte in der gemeinsamen Pressekonferenz von LVU und Wirtschaftsministerium auch Elmar Deegener, Vice President and General Manager Recaro Automotive Seating: „In der Krise haben Mitarbeiter auch ihre Arbeitsplätze verloren. Umso mehr bin ich froh, dass wir jetzt in Zeiten leben, die zur Hoffnung Anlass geben.“ Deegener hielt ein Plädoyer für die Technologie: „Wir wollen Stahl in Intelligenz verwandeln aber uns auch gleichzeitig den Herausforderungen neuer Materialien stellen.“ Herausforderungen würden aber immer auch Risiken und Investitionen bedeuten. Für Elmar Deegener ist klar: „Es steckt noch viel Potenzial in dem, was wir bisher gemacht haben und unendlich viele Möglichkeiten in den neuen Technologien.“ Konkret verwies er auf jüngste Erfolge bei der Gewichtsreduzierung : „Unsere Lehneneinsteller sind jetzt 30 Prozent leichter.“
Für Dr. Ronald Große, Leiter der Abteilung „Elektromobilität“ juwi R & D Research & Development GmbH & Co. KG, ist Rheinland-Pfalz nicht nur ein Autoland, sondern auch ein Land der erneuerbaren Energien. Man müsse diese beiden Potenziale zusammenführen: „Wir möchten erneuerbare Energien auf die Straße bringen“, so Dr. Große. Er mahnte zudem an, dass es nicht ausreicht, nur Ladestationen aufzustellen. Er fordert nutzerfreundliche Systeme, die neben dem reinen Laden mit sauberem Strom auch weitere Funktionalitäten anbieten. Dies wären zum Beispiel das Anzeigen von Stromparkplätzen durch das Navigationssystem oder deren Reservierung. Der Elektromobilitätspionier musste auf die Anreise zur IAA mit einem Elektroauto verzichten, weil sich die in Frankfurt verfügbaren Ladestationen nicht reservieren lassen. So konnte er nicht sicher sein, einen Stellplatz mit Stromlade-Möglichkeit zu bekommen und sein Fahrzeug während der Messe zu laden.
Anja Kleyboldt, Werkdirektorin Adam Opel AG, Werk Kaiserslautern, wies darauf hin, dass Opel auf der IAA den Ampera vorstelle, ein Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerung bis 500 km: „Das ist Fahrspaß pur – mit innovativer Elektromobilität“, so Kleyboldt. Als weitere Weltpremiere stellt Opel den neuen Zafira Tourer auf der IAA vor. Die Komponenten für den Zafira Tourer werden aus dem Werk in Kaiserslautern geliefert. Anja Kleyboldt machte deutlich, dass die Fertigung von Komponenten sehr energieintensiv sei. Weil Opel sich zur Energiewende bekenne, habe man auch ein Solarkraftwerk auf das Werk in Kaiserslautern montiert. Dennoch lägen die Energiepreise immer noch ein Viertel über dem europäischen Durchschnitt. „Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben“, mahnte sie an.
Auch für Dr.-Ing. Wolfgang Reuter, Geschäftsführer Tenneco GmbH, war klar, dass sich die Automobilindustrie verändern wird – jedoch nicht von heute auf morgen verändern kann. Sein Unternehmen stellt Abgasreinigungssysteme für PKW, aber auch für LKW, Agrar- und Baumaschinen sowie Lokomotiven her. Er machte deutlich, dass „ein Euro-6-PKW in Mexiko-City eigentlich ein Luftreinigungsaggregat ist.“ Seine Einschätzung: „Verbrennungsmotoren werden noch viele Jahre in sehr hohen Stückzahlen den Globus bestimmen. Darum müssen wir weiter an der Steigerung der Energie-Effizienz und der Abgasreinigung dieser Motoren arbeiten.“
Staatministerin Eveline Lemke kritisierte abschließend, dass Deutschland insbesondere Luxusfahrzeuge ausführe: „Wenn wir viele große Fahrzeuge in die Welt exportieren, erzeugen wir viele Emissionen. Wir sollten uns fragen, ob das das Image ist, das wir transportieren wollen. Ich finde, unser Image sollte lieber das der kleinen, abgasarmen und umweltschonenden Autos sein, statt das der Super-Boliden.“ Die Ministerin wies auf die Notwendigkeit hin, angesichts der rasant steigenden Preisen für Rohöl auf alternative Antriebskonzepte umzusteigen. „Ich bin jedoch überzeugt, dass es für einen 100%-Umstieg der bisherigen Antriebstechnologien auf Basis von Diesel und Benzin auf Elektromobilität noch eines Übergangs bedarf. Insbesondere das Pendler- und Flächenland Rheinland-Pfalz ist auf erschwingliche Mobilität angewiesen. Deshalb arbeiten wir parallel zur Entwicklung von E-Mobility am Ausbau des Gastankstellennetzes im Land.“