Zuwanderung damals wie heute eine Lösung für den Arbeitsmarkt
Kategorie: LVU
28.10.2011


(Foto: Rainer Sturm/ pixelio.de)
(Foto: Rainer Sturm/ pixelio.de)

„Unsere Wirtschaft hätte nicht diese Stellung in der Welt, wenn es die Einwanderung türkischer Arbeitskräfte vor 50 Jahren nicht gegeben hätte“, sagt der Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Dr. Gerhard F. Braun, anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens für türkische Arbeitnehmer am 31. Oktober 2011. Er bezeichnet die Zuwanderung der Gastarbeiter als „Grundlage unseres Wohlstandes“ und macht deutlich, dass angesichts des Fachkräftemangels auch aktuell eine gezielte Zuwanderung nötig sei – allerdings „im Lichte der Erfahrungen, die wir in den vergangenen 50 Jahren gemacht haben“.  

Als die ersten türkischen Arbeitskräfte 1961 nach Deutschland kamen, sollten sie ohne Familien kommen und lediglich für zwei Jahre bleiben – daher auch der Name „Gastarbeiter“. Dementsprechend habe es auch so gut wie keine Integrationsbemühungen gegeben. Dies sei auch dann nicht korrigiert worden, als für alle ersichtlich war, dass die Menschen dauerhaft in Deutschland bleiben wollen. Das Ergebnis laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Während die erste Zuwanderer-Generation mit sehr geringen beruflichen Qualifikationen nach Deutschland gekommen ist und entsprechende Tätigkeiten ausüben mussten, verbessern sich die Werte in der zweiten Migranten-Generation bereits spürbar. Ein Beispiel: 68 Prozent der direkten Einwanderer kamen ohne Berufsausbildung nach Deutschland. Von deren Kindern sind jedoch nur 27 Prozent ohne eine solche Qualifikation. „Wir sehen also, dass mit steigender Verweildauer das Bildungsniveau steigt. Das wiederum erleichtert die Integration über eine dauerhafte Teilhabe am Arbeitsleben nicht nur im Helferbereich, sondern eben auf allen hierarchischen Ebenen“, so Dr. Braun. 

Man komme nicht umhin, wieder eine Zuwanderungsdebatte offensiv zu führen. Schließlich habe der demografische Wandel bereits heute zu einem deutlich spürbaren Fachkräftemangel geführt. Besonders in der den sogenannten MINT-Berufen, also Tätigkeiten, die eine mathematische, ingenieurwissenschaftliche oder technische Qualifikation erfordern, ist der Mangel nach LVU-Angaben deutlich spürbar: Die MINT-Lücke betrage aktuell deutschlandweit rund 117.000 Menschen. „Diese Lücke werden wir auf absehbare Zeit nicht mit dem Arbeitskräftepotenzial schließen können, das uns gegenwärtig zur Verfügung steht. Entweder fehlt in vielen Bereichen die Grundqualifikation, oder aber schlicht das Interesse oder das Verständnis für mathematisch-technische Zusammenhänge“, so der LVU-Präsident.  

Seine Schlussfolgerung: „Wir brauchen eine – gesteuerte und zielgerichtete – Zuwanderung aus dem Ausland.“ Eine solche Zuwanderungswelle sei jedoch kaum mit der sogenannten „Gastarbeiter“-Welle vergleichbar: „Es geht um hochqualifizierte Fachkräfte – der Gesetzgeber fordert aktuell ein Mindestgehalt von 66.000 Euro - in einer begrenzten Zahl.“ Und: „Sie kommen in ein Deutschland, das sich der Integrationsnotwendigkeit wesentlich bewusster ist, als noch vor 50 Jahren. Dennoch müssten die Rahmenbedingungen für eine solche Zuwanderung klar geregelt sein, denn noch immer fehlt es an einem ganzheitlichen Ansatz zur Zuwanderungssteuerung. Wir brauchen die Einführung eines bedarfs- und qualifikationsorientierten Punktesystems, wie es beispielsweise Länder wie Kanada oder Australien erfolgreich anwenden“, fordert Dr. Braun. Nach dem Punktesystem kann Zuwanderung nach Deutschland bei Vorliegen bestimmter Qualifikationen wie Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen gesteuert werden. Im Rahmen politisch vorgegebener Kontingente können schnell und unbürokratisch diejenigen ausgewählt werden, die in Deutschland gebraucht werden.

 






Dateien:
PM-LVU_Nr-14-11_Anwerbeabkommen-Tuerkei.pdf


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