Ausbildungsmarkt 2011 unter guten Sternen
Kategorie: Rheinland-Pfalz
07.11.2011


Die Personalverantwortlichen wollen mit der betrieblichen Ausbildung Vorsorge für den anstehenden Generationswechsel in den Betrieben treffen. (Foto: Speker)
Die Personalverantwortlichen wollen mit der betrieblichen Ausbildung Vorsorge für den anstehenden Generationswechsel in den Betrieben treffen. (Foto: Speker)

Die Entwicklung am rheinland-pfälzischen Ausbildungsmarkt stand 2011 – zumindest aus Sicht der Schulabgänger – gleich unter zwei guten Sternen. So hat der Wirtschaftsaufschwung nicht nur für mehr Arbeitsplätze sondern auch für mehr Ausbildungsplätze gesorgt. Das Angebot wurde zudem dadurch befördert, dass die Personalverantwortlichen mit der betrieblichen Ausbildung Vorsorge für den anstehenden Generationswechsel in den Betrieben treffen wollen.

Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Montag in Mainz mitteilte, haben rheinland-pfälzische Betriebe den Agenturen für Arbeit im Zeitraum von Oktober 2010 bis September 2011 rund 25.700 Ausbildungsplätze gemeldet, 1.500 oder 6,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Knapp 26.800 Jugendliche schalteten die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter bei der Ausbildungsplatzsuche ein, 300 oder 1,1 Prozent weniger als 2009/2010. Zum ersten Mal seit 2002 gab es damit 2011 wieder einen zumindest rechnerisch ausgeglichen Ausbildungsmarkt.

Die herausragenden Ergebnisse in der Bilanz der Berufsberater zum Ende ihres Beratungsjahres:

Die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber, die am 30. September noch keinen Berufseinstieg gefunden hatten, war mit 460 die niedrigste seit Mitte der 1990-er Jahre. Weil sich die Lage deutlich verbessert hat, sind auch mehr Bewerber in betriebliche Ausbildung und sehr viel weniger als in den Vorjahren in überbetriebliche Ausbildungsgänge, Berufsfachschulen und berufsvorbereitende Maßnahmen eingemündet. Die andere Seite der Medaille: Ende September blieben fast 1.200 Ausbildungsstellen unbesetzt – das waren knapp fünf Prozent aller gemeldeten Stellen. Vor allem in den Berufen des Hotel- und Gastgewerbes und des Nahrungsmittelhandwerks konnte das Angebot nicht ausgeschöpft werden.

„Der Umbruch am Ausbildungsmarkt war in diesem Jahr nicht mehr zu übersehen und er wird sich fortsetzen. Die Schere zwischen Nachfrage und Angebot wird sich weiter öffnen, so dass nach und nach immer mehr Betriebe und Berufe die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung erfahren werden“, sagte die Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, Heidrun Schulz. Es gelte daher, die bisher eher unzureichend genutzten Potenziale besser für die duale Ausbildung zu erschließen. Dazu zählten vor allem Jugendliche aus sozial schwachen Familien, ausländische Jugendliche und behinderte Jugendliche.

„Die Integration dieser jungen Leute wird allerdings kein Selbstläufer, sondern setzt funktionierende Netzwerke in den Regionen voraus. Nur wenn Schulen, Eltern, Betriebe, Kammern, Berufsberater der Arbeitsagenturen und die Berufseinstiegsbegleiter koordiniert zusammenarbeiten, kann es gelingen, einerseits möglichst allen Jugendlichen zum Berufseinstieg zu verhelfen, und andererseits die betrieblichen Ausbildungsstellen nahezu vollständig zu besetzen“, sagte Schulz.

Ergebnisse der Berufsberatung am im Beratungsjahr 2010/2011 im Einzelnen:

1. Nachfrage nach Ausbildung


Von Oktober 2010 bis September 2011 haben knapp 26.800 die rheinland-pfälzischen Agenturen für Arbeit bei der Suche eines Ausbildungsplatzes eingeschaltet, 300 weniger als vor einem Jahr. Die Nachfrage ist vor allem deshalb gesunken, weil weniger „Alt-Bewerber“ auf Ausbildungsplatzsuche waren.

14.400 Jungen und 12.300 Mädchen bewarben sich mit Unterstützung der Berufsberater um eine betriebliche Ausbildungsstelle. Dabei verfügten die Mädchen im Allgemeinen über die besseren Schulabschlüsse. Dass sie zahlenmäßig nicht ganz so stark wie ihre männli chen Altersgenossen vertreten waren, ist im wesentlichen damit zu erklären, dass sehr viele junge Frauen sich für schulische Ausbildungswege entscheiden.

Die Berufswünsche der jungen Männer waren breiter gestreut als die der Mädchen. Fünf der zehn meistgewünschten Ausbildungsberufe waren gewerblich-technische Berufe – etwa Kraftfahrzeugmechatroniker, Metallbauer Fachrichtung Konstruktion, Industriemechaniker und Tischler. Bei den jungen Frauen befand sich überhaupt kein gewerblich-technischer Beruf unter den zehn meistgenannten. Sie wollten vor allem Verkäuferin, Bürokauffrau, medizinische Fachangestellte oder Friseurin werden. Knapp 62 Prozent der Mädchen strebten nur zehn Berufe an – bei den Jungen waren dies „nur“ 43 Prozent.

Rund 40 Prozent der Bewerber verfügten über den Realschulabschluss, knapp 38 Prozent über den Hauptschulabschluss und annähernd 17 Prozent über die Fachhoch- oder Hochschulreife.

In Rheinland-Pfalz suchten gut 2.500 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsplatz – das waren 9,4 Prozent aller Bewerber. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren leicht, aber stetig gestiegen. In Rheinhessen (15,6) und im Großraum Ludwigshafen (18,7 Prozent) stellten sie einen beachtlichen Anteil an den Ausbildungsnachfragern dar. Die vielfältigen Bemühungen der letzten Jahre, ihre Zugangschancen in betriebliche Ausbildung zu verbessern, scheinen Früchte zu tragen. Zumindest waren ausländische Jugendliche unter den „Unversorgten“, anders als früher, nicht mehr überproportional vertreten.

Insgesamt 460 Jugendliche hatten zum 30. September noch keinen Ausbildungsplatz finden können – 50 weniger als vor einem Jahr. Davon waren 249 Jungen und 220 Mädchen. Jugendliche mit Hauptschulabschluss waren mit einem Anteil von 42 Prozent überrepräsentiert. Die „Alt-Bewerber“ - also Jugendliche, die schon in den Jahren zuvor keine Stelle gefunden haben - sind immer noch relativ stark betroffen, ihre Zahl insgesamt ist aber im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

2. Angebot an Ausbildungsstellen

Von Oktober 2010 bis September 2011 wurden den rheinland-pfälzischen Agenturen für Arbeit rund 25.700 Ausbildungsplätze gemeldet, fast 1.500 oder 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese deutliche Zunahme ist zu einem Teil darauf zurückzuführen, dass Betriebe wegen der demografischen Wende ihre Ausbildungskapazitäten weiter hoch halten. Allerdings dürfte der konjunkturelle Rückenwind einen noch größeren Beitrag geleistet haben, denn das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten ist in konjunkturreagiblen Berufen überdurchschnittlich gestiegen. So beispielsweise in den chemischen und kunststoffverarbeitenden Berufen um 34 Prozent, bei Metallerzeugern und –bearbeitern um fast 45 Prozent, in den   Verkehrsberufen um gut 30 Prozent und bei Schlossern und Mechanikern um rund zehn Prozent.

„Schwergewichte“ beim Ausbildungsplatzangebot waren die Ausbildungsberufe Verkäufer/-in mit 1.460 Stellen, Kauffrau/-mann im Einzelhandel mit 1.280 Stellen und Bürokauffrau/-mann mit 1.188 Stellen. Mit deutlichem Abstand folgten dann die Berufe Köchin/Koch, Industriekauffrau/-mann und Bankkauffrau/-mann.

Es ist schwieriger geworden alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Ende September blieben In Rheinland-Pfalz knapp 1.200 Ausbildungsplätze unbesetzt – 4,5 Prozent aller gemeldeten Stellen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der unbesetzten Stellen um gut 300 gestiegen.

Die Besetzungsprobleme streuen aber nicht über alle Berufe hinweg, sie konzentrieren sich auf vergleichsweise wenige. Vor allem in den Ausbildungsberufen

• Restaurantfachfrau/-mann (68 unbesetzte Stellen, 14 Prozent der gemeldeten Stellen),

• Kauffrau/-mann im Einzelhandel (164 Stellen, 12,8 Prozent),

• Verkäufer/-in (168 Stellen, 11,5 Prozent) und

• Köchin/Koch (88 Stellen, 10,4 Prozent)

blieben relativ viele Stellen unbesetzt.

3. Angebot und Nachfrage nach Regionen

Die einzelnen regionalen Ausbildungsmärkte in Rheinland-Pfalz unterschieden sich auch 2010/2011 zum Teil recht deutlich. In den Regionen Trier und Koblenz waren im gesamten Jahr deutlich mehr Ausbildungsplätze gemeldeten worden, als auf der anderen Seite Jugendliche über die Arbeitsagenturen nachfragten. In den Ballungsräumen Mainz und Ludwigshafen standen der Nachfrage gleich viele Angebote gegenüber, so dass man einem ausgeglichenen Markt sprechen kann. In den anderen Landesteilen war die Lage noch nicht so entspannt – schwierig war sie erneut in der Region Pirmasens. Hier überstieg am Jahresende auch die Zahl der unversorgten Jugendlichen die der unbesetzten Stellen.

4. Förderangebote der Arbeitsagenturen und der Job-Center

In den vergangenen Jahren sind nicht zuletzt auf Initiative der Bundesagentur für Arbeit präventive Förderangebote entwickelt worden, die darauf abzielen, Jugendlichen in den letzten Schuljahren besser auf den Berufswahlprozess vorzubereiten, ihnen die gesamten Ausbildungsmöglichkeiten transparenter zu machen und sie in den Jahren des Übergangs individuell zu begleiten. Dabei handelt es sich vor allem um Maßnahmen der Vertieften Berufsorientierung und die Berufseinstiegsbegleitung. Allein in diese präventiven Instrumente investieren die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter in diesem Jahr rund 10,1 Millionen Euro.

Trotz des besseren betrieblichen Ausbildungsangebotes sind Jugendlichen mit schulischen Defiziten, mangelnden Sprachkenntnissen, fehlender Berufsreife, sozialen Benachteiligungen oder geistigen, seelischen und körperlicher Behinderungen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben oft noch auf besondere Förderangebote angewiesen. Arbeitsagenturen und Jobcenter loten in jedem Einzelfall aus, welche Hilfen erforderlich sind. Zu diesen Förderangeboten gehören beispielsweise die ausbildungsbegleitenden Hilfen, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen oder außerbetriebliche Ausbildungsmöglichkeiten. rund 8.200 Jugendliche profitieren von diesen Angeboten – im Jahr zuvor waren es wegen der noch schwierigeren Lage etwa 10.700. Dafür stehen den Arbeitsagenturen und den Jobcentern 2011 annähernd 90 Millionen Euro zur Verfügung, so dass die Gesamtsumme der Ausbildungsförderung in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr bei rund 100,4 Millionen liegen wird.









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