Fachkräftemangel macht Mindestlohn und Frauenquote überflüssig
Kategorie: LVU
23.11.2011


LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun beim LVU-Abend 2011 im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. (Foto: Benz)
LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun beim LVU-Abend 2011 im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. (Foto: Benz)

"Der Fachkräftemangel wird immer dramatischer", schlug der Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Dr. Gerhard F. Braun, jetzt beim LVU-Abend Alarm. Aktuellen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zufolge fehlten in Rheinland-Pfalz und dem Saaraland im Oktober 8.200 Fachkräfte aus den Bereichen Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Somit habe sich die MINT-Lücke im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. "Unsere wertvollsten Rohstoffe sind Grips und Geschick. Mit diesem Pfund müssen wir wuchern, sonst sind wir auf dem Weltmarkt ganz schnell abgehängt", so Dr. Braun.

Der LVU-Präsident machte deutlich, dass Volkswirtschaften ihr langfristiges Wohlergehen vor allem der Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Arbeitskräften und dem technischen Fortschritt zu verdanken hätten. Als Ausweg aus diesem Szenario nannte er Investitionen in alle Bereiche der Bildung - vom Kindergarten bis zur Hochschule. "Da sind wir alle gefordert. Die Unternehmen und deren Verbände investieren schon seit vielen Jahren intensiv in die Bildung. Da es sich bei der Sicherung der dauerhaften Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes aber auch um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt muss sich auch die Politik hier noch stärker engagieren. Ich denke da insbesondere an die finanzielle Ausstattung der Hochschulen. In diesem Zusammenhang kann ich den Verzicht auf Studiengebühren in Rheinland-Pfalz nur mit einem Kopfschütteln kommentieren."  

Für Dr. Gerhard F. Braun ist angesichts dieses Mangels an qualifizierten Mitarbeitern ganz klar, dass es sich kein Unternehmen dauerhaft erlauben könne, Wettbewerbsfähigkeit über die Löhne herzustellen: "Es ist doch einleuchtend, dass Unternehmen, die händeringend Mitarbeiter benötigen, nicht mit niedrigsten Löhnen an den Markt gehen. Darum entbehrt die aktuelle Mindestlohndiskussion des Realitätsbezugs. Unter dem Deckmantel einer diffusen Gerechtigkeitsdebatte wird ein Niedriglohn-Horrorszenario aufgebaut, das es so gar nicht gibt: Menschen, die sich selbst von ihrer ganztägigen Arbeit nicht ernähren können, gibt es in Deutschland nur rund 15.000 - und sicher ebenso viele individuelle Gründe hierfür. Viel höhere Zahlen, die immer wieder kursieren, beziehen sich auf Menschen, die neben sich selbst auch noch mehrere andere Familienmitglieder unterhalten müssen. Diese Art von Familienförderung zu finanzieren ist jedoch nicht Aufgabe der Unternehmen." Dr. Braun wies zudem noch auf die beschäftigungsfeindliche Wirkung von Mindestlöhnen hin: "Willkürliche, politische Mindestlöhne sind eine große Gefahr genau für die Arbeitsverhältnisse, die sie eigentlich aufwerten sollen."  

Ein weiteres Thema, das vom Zeitgeist getrieben diskutiert werde, sei die Zahl von Frauen in Führungspositionen. Zunächst einmal gelte auch hier, dass der Fachkräftemangel es überhaupt nicht zulasse, dass Unternehmen bewusst und freiwillig auf qualifizierte Frauen verzichte oder ihnen - demotivierend - Beförderungen vorenthalte. Und auch hier gäben die aktuellen Zahlen den politischen Vorwurf überhaupt nicht her: "Nach der "4. Bilanz Chancengleichheit" in der die Bundesregierung gemeinsam mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft die aktuelle Situation dokumentiert, sind in Deutschland 28 % aller Positionen für Führungskräfte mit Frauen besetzt. Das entspricht dem Anteil der Frauen an der vollzeitarbeitenden Bevölkerung", so Dr. Braun. Er verstehe nicht, wieso die Politik diese Zahlen als Handlungsauftrag verstehe - sie seien allenfalls ein Handlungsauftrag hier nicht gesetzgeberisch tätig zu werden. Darüber hinaus empfahl der LVU-Präsident Politik und öffentlicher Verwaltung vor der eigenen Türe zu kehren: "Laut einer Untersuchung des IW Köln lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden 2009 bei 23 Prozent. Ich empfehle da mal die Wirtschaft als Maßstab zu nehmen."

Zur Energiepolitik der Landesregierung und dem Ziel, innerhalb von 19 Jahren den in Rheinland-Pfalz benötigten Strom komplett aus erneuerbaren Energien herzustellen, sagte der LVU-Präsident: „Unsere Prämissen sind ganz klar, dass die Unternehmen Energie dauerhaft zu wettbewerbsfähigen Konditionen benötigen. Das heißt im Klartext: Strom muss versorgungssicher und bezahlbar sein.“ Beim gemeinsamen Energiegipfel von LVU, DGB und Landesregierung vor wenigen Wochen in Frankenthal sei jedoch deutlich geworden, dass es mehr offene Fragen als Antworten gebe, ob und wie diese Voraussetzungen erfüllt werden können.

 






Dateien:
PM-LVU_Nr-16-11_LVU-Abend.pdf


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