In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beschäftigen die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie rd. 400.000 Menschen. Der Bedarf wird 2012 weiter steigen, aber die Besetzung gelingt immer schlechter: wegen fehlender Akademiker und Fachkräften.
Auch entscheiden sich zu wenige Auszubildende für naturwissenschaftlich-technische Berufe. „Um immer kürzere und heftigere konjunkturelle Auf und Abs in der größten Industrie besser ausbalancieren zu können und zugleich Fachkräfte mit naturwissenschaftlich-technischer Begabung zu sichern, brauchen unsere Unternehmen zum einen genügend große und flexible unternehmerische Spielräume und eine verstärkte bildungspolitische MINT-Offensive“, sagte Dr. Eduard Kulenkamp, Verhandlungsführer von M+E Mitte, anlässlich der Sondierungsgespräche mit der IG Metall. „Auch wir als Tarifpartner müssen erneut prüfen, inwieweit tarifliche Flankierungen dabei sinnvoll und förderlich sind. Dabei kann es um Fragen der Qualifizierung und der betrieblichen Flexibilität gehen. Einen Zwang zur unbefristeten Übernahme von Auszubildenden oder zum Verzicht auf befristete Beschäftigung lehnen wir als wenig hilfreich ab“, so der Verhandlungsführer.
Die M+E-Unternehmen werden an ihrem Wachstum künftig vor allem dadurch gehindert, dass es weniger qualifizierte Arbeitskräfte gibt. Eine Abkühlung der Konjunktur bremse diese Entwicklung nur kurzfristig aus. Dabei seien die M+E-Unternehmen „schon sehr aktiv“: Die unbefristete Übernahme von Auszubildenden ist bei 76 Prozent die Regel, die übrigen Jugendlichen orientierten sich eher selbst anders. 37 Prozent der Ausbildungsplätze werden über den eigenen Bedarf hinaus zur Verfügung gestellt, 12 Prozent der Betriebe bilden förderungsbedürftige Jugendliche aus. Und schließlich bieten sie über 1.000 duale Studiengängern einen Arbeitsplatz. „Um die fähigsten Menschen für unsere Branche zu rekrutieren, betreiben wir seit über 20 Jahren eine intensive Nachwuchs-Kampagne. Auf zahlreichen Ausbildungs-Infotagen und Messen unterstützen wir unsere Mitgliedsunternehmen bei ihrer Nachwuchsrekrutierung. Um die Jugendlichen zur Berufsorientierung in Richtung M+E-Industrie anzuregen, brachten unsere „Infobusse“ 2011 an über 200 Einsatztagen die High-Tech-Berufswelt der M+E-Branchen an über 20.000 Schüler eines Jahrgangs. Diese Maßnahme erfolgt in den Unterricht integriert. Aber alle diese Maßnahmen reichen nicht aus.
Eine aktuelle Umfrage bei den hessischen Mitgliedsunternehmen habe bereits jetzt einen massiven Mangel im naturwissenschaftlich-technischen Bereich festgestellt –Sie würde in Rheinland-Pfalz und dem Saarland nicht wesentlich anders ausfallen. Bereits 37 Prozent der Unternehmen können ihre Akademiker-Positionen nicht mehr planmäßig besetzen, 35 Prozent ihre Fachkräfteplätze und noch fast ein Fünftel die Ausbildungsstellen. Und sie erwarten hier eine deutliche Verschärfung: auf jeweils 45, 46 und 26 Prozent in den nächsten 5 Jahren.
Hintergrund:
Deutsche Schüler brauchen mehr Unterrichtsstunden in den MINT-Fächern: Der Anteil an MINT-Unterricht in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr unterentwickelt und wird von der Bildungspolitik noch immer stiefmütterlich behandelt. Kaum jede vierte Unterrichtsstunde für 12 bis 14-jährige Schüler entfällt auf MINT-Fächer. Tüftler und Techniker studieren MINT-Fächer aber nur, wenn sie zuvor in der Schule diese Fächer ausreichend angeboten bekommen. Die Schüler bräuchten mehr Unterrichtsstunden in den MINT-Fächern. Die „naturwissenschaftliche, schulische Lücke“ in den Jahrgangsstufen 5 und 6 müsse geschlossen werden. Der Unterricht müsse praxisorientierter werden. Und Schulen und Unternehmen sollen intensiver und besser kooperieren, um mehr „unentschlossene, aber begabte“ Schülerinnen und Schüler an MINT-Berufe und -Studiengänge heranzuführen. Hier liegen – laut aktueller OECD-Studie –Russland und die osteuropäischen Länder weit vorne.